EP Energy, die tschechische Muttergesellschaft des ostdeutschen Braunkohleförderers Mibrag, verbuchte zuletzt einen Gewinnrückgang. Doch die Jahresergebnisse des von Finanzinvestoren aufgebauten Energiekonzerns sind eigentlich schwer miteinander zu vergleichen.

Zu den Beteiligungen des tschechischen Energiekonzern EPE gehört Pražská teplárenská, der Wärmeversorger von Prag. Archivfoto 2008: JanSuchy / Wikimedia / gemeinfrei


Der tschechische Energiekonzern EP Energy, zu dem der ostdeutsche Braunkohleförderer Mibrag gehört, hat im vergangenen Geschäftsjahr 2013 wieder weniger Geld verdient. Zwar stieg sein Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent auf 1,87 Milliarden Euro. Dennoch brach der Gewinn nach Steuern um drei Viertel auf 113 Millionen Euro ein. Im Jahr zuvor hatte sich der Gewinn noch verzehnfacht.

Allerdings lassen sich die Jahresergebnisse von EPE nur schwer miteinander vergleichen, sie können allenfalls einer groben Orientierung dienen. Der Energiekonzern wurde erst in den vergangenen Jahren durch tschechische und slowakische Finanzinvestoren aufgebaut, die ständig neue Unternehmensbeteiligungen kaufen und einige auch wieder verkaufen. So stockte EPE erst im vergangenen Jahr seinen Mibrag-Anteil von 50 auf 100 % auf und erwarb das Helmstedter Revier in Niedersachsen. In Tschechien kaufte sich der Energiekonzern in das slowakische Stromvertriebs-Unternehmen Stredoslovenská energetika ein. Im Jahr 2012 hatte EPE bereits einen Anteil am Braunkohlekraftwerk Schkopau in Sachsen-Anhalt erworben und sich von seiner Mehrheitsbeteiligung am tschechischen Wärmeversorger Energotrans getrennt.

Hinzu kommt, dass EPE seine Beteiligungen in ein undurchsichtiges Geflecht von Tochterfirmen eingebunden hat, die teilweise im Steuerparadies Zypern angesiedelt sind. Damit lassen sich wahrscheinlich nicht nur Steuerzahlungen in den Ländern vermeiden, in denen die Tochterunternehmen tatsächlich tätig sind und in denen sie von den dortigen steuerfinanzierten staatlichen Infrastrukturen und Leistungen profitieren. Denkbar ist auch, dass die Finanzströme dieses Firmengeflechts sehr flexibel nach dem jeweiligen Bedarf gesteuert werden können.

EPE selbst befindet sich im Besitz der tschechischen EPH Energetický a průmyslový holding, die wiederum über verschachtelte internationale Strukturen zu mehreren tschechischen und slowakischen Finanzinvestoren gehört. Im Januar haben sie zwischen EPH und EPE eine weitere Firmenebene eingezogen, diesmal sogar auf heimischem Boden: CE Energy mit Sitz in Prag ist eine Tochterfirma von EPH und die Mutterfirma von EPE. Ihre wichtigste Aufgabe scheint es zu sein, Kredite aufzunehmen. Noch im Januar borgte sie sich 60 Mio. Euro von ihrer Tochter EPE, und im Februar legte sie eine Anleihe über sieben Jahre und 500 Mio. Euro auf.

Bei dieser Gelegenheit beurteilten die Bewertungsagenturen Fitch und Moody's die Kreditwürdigkeit von CE Energy und EPE. Fitch bewertete CE Energy und dessen siebenjährige Anleihe mit „B+“ sowie EPE mit „BB+“. Moody's vergab ein „Ba2“ für CE Energy und ein „B1“ für die Anleihe. Dabei steht das „Ba2“ von Moody's laut Wikipedia für eine „durchschnittlich gute Anlage“, für die bei einer Verschlechterung der Gesamtwirtschaft mit Problemen zu rechnen ist. Mit einer deutlich skeptischeren Beurteilung übersetzt das Online-Lexikon das „B+“ von Fitch: „Hochspekulative Anlage. Bei Verschlechterung der Lage sind Ausfälle wahrscheinlich.“

Die finanziellen Mittel für ihre Expansion beschaffen sich EPE und EPH nicht nur auf den internationalen Finanzmärkten, sondern auch bei den Firmen, die sie übernommenen haben. So führte Mibrag seit seiner Übernahme im Jahr 2009 ungewöhnlich hohe Gewinne an seine Gesellschafter ab und vergab an sie sogar einen Kredit von 220 Mio. Euro. Eine solche Refinanzierung des Kaufpreises durch das übernommene Unternehmen ist eine vielkritisierte Praxis von kurzfristig orientierten Finanzinvestoren – den sogenannten Hedgefonds.

Inzwischen gehören insgesamt 67 Unternehmen zu EPE, das sich selbst als führenden Wärmeversorger und als zweitgrößten Stromproduzenten in Tschechien bezeichnet. EPH hält außerdem direkte Beteiligungen an mehreren slowakischen Gasgesellschaften. Unter ihnen sind der Ferngasleitungs-Betreiber Eustream und mehrere Speichergesellschaften.


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