Der Betriebsrat des Bergbauunternehmens rechnet mit einem drastischen Strukturwandel, sobald erneuerbare Energien ausreichend und wirtschaftlich gespeichert werden können. Geschäftsführung und Aufsichtsrat sehen auch danach noch eine Zukunft für die Braunkohleförderung.

Braunkohleförderung in Mibrags Tagebau Vereinigtes Schleenhain. Bewegtbild: Stefan Schroeter


Der Betriebsrat des Bergbauunternehmens Mibrag hält die Diskussion über einen Ausstieg aus der Braunkohleförderung und den damit verbundenen Strukturwandel für verfrüht. Im Zuge der Energiewende würden derzeit Halbwahrheiten verkündet, sagte der Betriebsrats-Vorsitzende Frank Frenzel am Freitag in Zwenkau bei einer Veranstaltung zur Sozialpartnerschaft im regionalen Braunkohlebergbau. Er wies darauf hin, dass bisher nicht ausreichend wirtschaftlich betreibbare Energiespeicher verfügbar sind, um eine stabile Versorgung mit erneuerbaren Energien zu gewährleisten. „Wir stehen für eine sichere Versorgung mit den Mitteln, die wir haben, und das ist Braunkohle“, sagte Frenzel. Andererseits rechnet er mit starken Veränderungen, sobald Energie ausreichend und wirtschaftlich gespeichert werden kann: „Ich denke, dann wird es einen rasanten Strukturwechsel geben, den auch jeder mitträgt.“ Dann werde es Wege geben, einen sozialverträglichen Ausstieg zu finden.

Mibrags Personal-Geschäftsführer Heinz Junge vertritt die Ansicht, dass das Unternehmen auch in einem Strukturwandel weiter bestehen kann. „Die Mibrag in der Größenordnung, in der sie jetzt existiert, wird vielleicht einmal eine andere Struktur und logischerweise weniger Beschäftigte haben“, sagte Junge. „Allein mit der Umstellung auf erneuerbare Energien ist eindeutig eine Beschäftigungsgröße, wie wir sie derzeit haben, nicht erreichbar.“ Derzeit beschäftigt Mibrag selbst 2.000 Mitarbeiter, weitere 1.050 sind in Tochterunternehmen angestellt. Junge rechnet allerdings damit, dass es in Zukunft weiterhin eine Braunkohleförderung geben wird. „Es wird sich auch in Zukunft niemand leisten können, eine Naturressource wie die Braunkohle zu verschenken und liegen zu lassen.“ Ähnlich äußerte sich Mibrag-Aufsichtsratsmitglied Walter Christian Steinbach. Er hält es für möglich, dass die Braunkohle künftig verstärkt stofflich genutzt und in neuen Kraftwerkstypen für die Energieproduktion eingesetzt wird.

Die Beziehungen zur tschechischen Muttergesellschaft EP Energy bezeichnete Junge als normal. Das treffe auch auf die Gewinnabführungs-Verträge zu. Sie regeln nach seinen Worten nicht nur, dass Mibrag die erwirtschafteten Gewinne an den Eigentümer abführt, sondern auch, dass der Eigentümer die Haftung für Mibrag übernimmt. Junge zufolge ist das Unternehmen wirtschaftlich stark und kann seine jährlichen Investitionen von 60 bis 80 Mio. Euro finanzieren. Auch bei den Tarifverhandlungen gebe es keine Probleme. „Wir waren immer in der Lage, relativ zügig einen Kompromiss zu finden“, sagte der Personalchef. Die jährlichen Personalkosten bezifferte er mit 115 Mio. Euro.

Mibrag war im Jahr 2009 an zwei tschechische Unternehmen verkauft worden. Inzwischen halten tschechische und slowakische Finanzinvestoren über EP Energy sämtliche Mibrag-Anteile. Dabei ist der deutsche Braunkohleförderer in ein kompliziertes Unternehmensgeflecht eingebunden, das Zwischengesellschaften auf der Mittelmehr-Insel Zypern einschließt. Solche Konstruktionen sind in der internationalen Finanzwelt inzwischen üblich, um Steuerzahlungen an die Staaten zu senken, in denen die tatsächliche wirtschaftliche Tätigkeit von Unternehmen stattfindet.

In den vergangenen Jahren hatten sich die tschechischen Gesellschafter über Gewinnabführungen und Kreditverträge ungewöhnlich große Kapitalsummen von Mibrag überweisen lassen. Sie übersteigen inzwischen deutlich den Kaufpreis von reichlich 400 Mio. Euro, der 2009 für das ganze Unternehmen bezahlt worden war. Zu den fragwürdigen Entwicklungen bei Mibrag zählt auch, dass das Unternehmen seine Braunkohle zunehmend per Bahn über Entfernungen von mehreren hundert Kilometern transportiert. Solche Transporte galten bisher als unwirtschaftlich. Außerdem verschlechtern sie die ohnehin ungünstige Umweltbilanz des fossilen Energieträgers noch zusätzlich.


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