Im deutschen Strom-Terminmarkt ist die European Energy Exchange inzwischen an einem Fünftel der Handelsgeschäfte beteiligt. Der börsliche Gashandel hat sich weiter belebt, bietet aber auch noch große Entwicklungsmöglichkeiten.

Die Energiebörse EEX gewinnt Marktanteile in einem rückläufigen deutschen Strom-Terminmarkt. Foto: Stefan Schroeter


Die Leipziger Energiebörse EEX European Energy Exchange ist im ersten Halbjahr 2014 weiter gewachsen. Der Umsatz stieg gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 16 Prozent auf 33,7 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern legte um 8 % auf 12,4 Mio. Euro zu. Finanzvorständin Iris Weidinger führte dieses Ergebnis gestern vor allem vor allem auf einen starken  Strom-Terminmarkt sowie auf den Gashandel zurück. So wuchs das Volumen im Strom-Terminmarkt um 9 % auf 632 Terawattstunden.

Am Strom-Terminmarkt werden vor allem sogenannte Phelix-Futures für  künftige Stromlieferungen in Deutschland und Österreich gehandelt. Außerdem registriert EEX hier außerbörsliche Strom-Termingeschäfte für das sogenannte Clearing – also die finanztechnische Abwicklung und Besicherung. In diesen beiden Bereichen erreichte EEX ein Volumen von insgesamt 569 TWh. Damit habe die EEX in einem insgesamt rückläufigen Gesamtmarkt ihren Marktanteil auf 22 % steigern können, sagte Vorstandschef Peter Reitz. Das gesamte Handelsvolumen im deutschen Strom-Terminmarkt bezifferte die Energiebörse mit 2.600 TWh. Der weitaus überwiegende Teil der Strom-Terminkontrakte für Deutschland wird immer noch auf außerbörslichen Handelsplattformen abgeschlossen.

Bei französischen Strom-Terminkontrakten (Englisch: French Power Futures), bei denen das Handelsvolumen in den vergangenen Jahren stagniert hatte, wuchs es in den ersten sechs Monaten des Jahres deutlich auf 20 TWh. Noch besser entwickelten sich die EEX-Geschäfte auf dem italienischen Strommarkt, wo die Energiebörse seit dem vergangenen Jahr aktiv ist. Beim Handel und Clearing von Strom-Futures kam sie nun schon auf ein Handelsvolumen von 30 TWh. Der Strom-Terminmarkt ist traditionell das wichtigste Geschäftsfeld der EEX, das knapp die Hälfte des gesamten Umsatzes ausmacht. Nach einigen schwierigen Jahren hatte es sich schon im vergangenen Jahr wieder gut entwickelt.

Deutlich größere Wachstumsraten verzeichnet die Energiebörse im bisher noch wenig entwickelten Gashandel. Die Handelsvolumina verdoppelten sich am Gas-Spotmarkt für kurzfristige Lieferungen auf 80 TWh und verdreifachten sich sogar am Gas-Terminmarkt für langfristige Lieferungen auf 47 TWh. „Wir bieten den Gas-Terminmarkt seit fünf Jahren an und sehen in diesem Jahr zu ersten Mal ein solches Wachstum“, bemerkte Reitz. Hier erkennt er immer noch große  Entwicklungsmöglichkeiten, da erst 5 % des Gashandels über Börsen abgewickelt würden.

Die Belebung der letzten Monate führt er zu einem großen Teil auf die neue Gashandels-Plattform Pegas zurück, die EEX inzwischen gemeinsam mit ihrer französischen Partnerbörse Powernext betreibt. Auf Pegas können die Handelsteilnehmer nicht nur Erdgas für die deutschen und französischen, sondern auch für die holländischen und belgischen Märkte handeln. Reitz kündigte an, dass ab Oktober über Pegas auch der Spothandel für den britischen Gasmarkt möglich sein soll.

EEX selbst erschließt sich derzeit außerdem den dänischen Gasmarkt. Dazu hatte die Energiebörse zuletzt einen 50-Prozent-Anteil an der dortigen Gasbörse Gaspoint Nordic vom Gasnetzbetreiber Energinet erworben. Der nächste Schritt soll sein, dass die EEX-Tochter ECC European Commodity Clearing die finanztechnische Abwicklung der dortigen Handelsgeschäfte übernimmt.