Die Erdgas-Pipeline Vojany-Ushgorod war einmal gebaut worden, um russisches Erdgas aus ukrainischen Transitleitungen in die Slowakei zu liefern. Dafür wurde sie nie genutzt, und jetzt dient sie dem Transport in umgekehrter Richtung.

Damit Erdgas aus der Slowakei über die Pipeline Vojany-Ushgorod in die Ukraine strömen kann, wurde die neue Übergabestation Budince eingerichtet. Foto: Eustream


Über eine neu eingerichtete Verbindung kann Erdgas aus der Slowakei in die Ukraine transportiert werden. Wie der slowakische Ferngasleitungs-Netzbetreiber Eustream mitteilte, nahm Anfang September die grenzüberschreitende Leitung Vojany-Ushgorod den kommerziellen Betrieb auf. Darüber können täglich 27 Millionen Kubikmeter Erdgas in die Ukraine strömen. Das entspricht einer jährlichen Menge von 10 Mrd. m³.

Diese Transportmenge sei von Eustreams Kunden bereits vollständig gebucht worden, meldete das Unternehmen weiter. Dabei handelt es sich allerdings um einen maximal möglichen Wert. Als garantierte Transportmenge nannte Eustream 17,6 Mio. m³/d, was den Angaben zufolge 6,4 Mrd. m³/a entspricht.

Bisher dienten die Ferngasleitungen an der ukrainisch-slowakischen Grenze dazu, russisches Erdgas im Transit von Osten nach Westen zu transportieren. Dafür war eigentlich auch die 1999 gebaute Leitung Vojany-Ushgorod bestimmt. Wie Eustream auf Anfrage mitteilte, sollte sie ursprünglich ein Kraftwerk im slowakischen Vojany mit Erdgas versorgen, wurde dann aber doch nicht genutzt.

Im April hatten sich Eustream und der ukrainische Energiekonzern Naftogas unter Vermittlung der Europäischen Union darauf geeinigt, diese Leitung für den Erdgastransport in umgekehrter Richtung – von der Slowakei in die Ukraine – vorzubereiten. Dazu richtete Eustream auch eine neue Übergabestation in Budince ein. Sie befindet sich nicht weit entfernt von der bekannten Transit-Übergabestation Veľké Kapušany. Angaben zu den dafür notwendigen Investitionen machte Eustream auf Anfrage nicht.

Traditionell bezieht auch die Ukraine russisches Erdgas. Aufgrund eines umstrittenen, im Jahr 2009 geschlossenen Vertrages war der Preis für diese russischen Erdgaslieferungen aber schon in den vergangenen Jahren über das in anderen europäischen Ländern übliche Niveau angestiegen. Im Streit um eine weitere enorme Preiserhöhung und um unbezahlte Rechnungen stoppte der russische Energiekonzern Gasprom schließlich im Juni die Erdgaslieferungen in die Ukraine vollständig. Seitdem ist das Land verstärkt auf die eigene Erdgasförderung und auf Importe aus anderen Ländern angewiesen. So liefert der deutsche Energiekonzern RWE bereits Erdgas über eine polnisch-ukrainische Verbindung in die Ukraine.


Vernetzen