Die tschechische Energetický a Prùmyslový Holding übernimmt sieben italienische Kraftwerke von dem deutschen Energiekonzern. Auch in Deutschland könnte sie demnächst möglicherweise ihre Expansion fortsetzen.

Das Steinkohle- und Ölkraftwerk Fiume Santo auf Sardinien soll in den Besitz von EPH übergehen. Foto: Eon


Der deutsche Energiekonzern Eon verkauft seine italienischen Kohle- und Gaskraftwerke an das tschechische Energieunternehmen EPH Energetický a Prùmyslový Holding. Ihre Strom-Erzeugungsleistung bezifferte Eon mit insgesamt 4.500 Megawatt. Darin enthalten sei das Steinkohle- und Ölkraftwerk Fiume Santo auf Sardinien mit 600 Megawatt sowie sechs Gaskraftwerke mit insgesamt 3.900 MW auf dem italienischen Festland und auf Sizilien.

Den Kaufpreis nannte der Energiekonzern auf Anfrage nicht. Wie er weiter mitteilte, muss die Transaktion noch von der Wettbewerbsbehörde der Europäischen Union genehmigt werden. Ihr Abschluss wird für das zweite Quartal 2015 erwartet. Eon will außerdem weiterhin prüfen, ob auch die in Italien noch verbleibenden Aktivitäten bei erneuerbaren Energien und im Vertrieb abgegeben werden können.

Mit dem Kauf der italienischen Eon-Kraftwerke setzt EPH ihre Expansion weiter fort. Die von tschechischen und slowakischen Finanzinvestoren aufgebaute Holding ist mit ihrer Tochtergesellschaft  EP Energy bereits zur nach eigenen Angaben führenden Wärmeversorgerin und zweitgrößten Stromproduzentin in Tschechien aufgestiegen. EPH hält außerdem direkte Beteiligungen an mehreren slowakischen Gasgesellschaften. Unter ihnen sind der Ferngasleitungs-Betreiber Eustream und mehrere Speichergesellschaften. Auch in der polnischen Steinkohleförderung ist EPH aktiv.

In Deutschland besitzt EPE den ostdeutschen Braunkohleförderer Mibrag und das früher von Eon betriebene Kraftwerk Helmstedt sowie eine Minderheitsbeteiligung an dem Eon-Kraftwerk Schkopau. Nachdem EPE/EPH zunächst gemeinsam mit dem tschechischen Stromkonzern ČEZ die Mibrag übernommen hatten, war es dort zu einer Reihe fragwürdiger Entwicklungen gekommen. Dazu zählen ein erheblicher Kapitalabfluss aus dem Unternehmen zu den Gesellschaftern, die Einbindung in ein unübersichtliches Firmengeflecht mit Knotenpunkten im Steuerparadies Zypern, und Braunkohletransporte über mehrere hundert Kilometer, die bisher als unwirtschaftlich galten. Hinzu kommt, dass Mibrags Entwicklung zuletzt noch weniger nachvollziehbar wurde, da das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2013 keinen Geschäftsbericht mehr vorgelegt hatte.

Möglicherweise kann EPH ihren Einfluss auf die deutsche Energieversorgung demnächst auch noch erheblich ausbauen. Die Holding hat bereits ihr Interesse daran bekundet, das ostdeutsche Braunkohlegeschäft des staatlichen schwedischen Energiekonzerns Vattenfall zu übernehmen. Nach einem Regierungswechsel in Schweden hatte Vattenfall damit begonnen, nach einem Käufer für seine Kraftwerke und Tagebaue in der Lausitz sowie einen Kraftwerksblock in Lippendorf bei Leipzig zu suchen.

Im November 2014 hatte EPH den Markteintritt in Großbritannien vollzogen und das Kohlekraftwerk Eggborough mit 2.000 MW Stromleistung in North Yorkshire übernommen. Auch hier muss die Transaktion noch von der Europäischen Kommission genehmigt werden.


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