Das polnische Parlament beschließt wahrscheinlich demnächst ein Gesetz für die Einspeisevergütung von Ökostrom, das neue Impulse für den Ausbau erneuerbarer Energien geben kann. Das Nachbarland will ihren Anteil an der Stromerzeugung bis zum Jahr 2018 verdoppeln.

Polnische Perspektiven für Erneuerbare Energien waren gestern ein Thema auf der Leipziger Energiemesse Enertec. Foto: Stefan Schroeter


Die polnische Botschaft sieht gute Möglichkeiten für deutsche Unternehmen, im Nachbarland in erneuerbare Energien zu investieren. Im Jahr 2013 habe der Anteil erneuerbarer Energien an der gesamten Energieerzeugung Polens erst bei fünf Prozent gelegen, sagte Botschaftsrat Jan Masalski gestern auf der Leipziger Energiemesse Enertec. Bei der Stromerzeugung sei ihr Anteil mit 8 % etwas höher gewesen. Schon bis zum Jahr 2018 solle dieser Anteil verdoppelt werden.

Neue Impulse für den Ausbau erneuerbarer Energien erwartet Masalski von einem Gesetz für die Einspeisevergütung von Ökostrom, das in der vorigen Woche vom Parlament beschlossen wurde. In der nächsten Woche soll noch der Senat des Parlaments darüber beraten. Masalski rechnet damit, dass es Anfang 2016 in Kraft treten kann.

Wie der Botschaftsrat weiter sagte, enthält das neue Gesetz feste Einspeisetarife für Ökostrom-Kraftwerke, die für 15 Jahre garantiert sind. Priorität haben dabei kleine Solar-, Wind- und Biomasseanlagen bis zu einer installierten Leistung von 40 Kilowatt.

Derzeit wird Ökostrom in Polen nach einem Zertifikate-System vergütet. Die Anlagenbetreiber erhalten dabei sogenannte Grüne Zertifikate für den Ökostrom, den sie ins Netz einspeisen. Diese Zertifikate werden an einer Börse gehandelt, und die Energieversorger sind verpflichtet, eine bestimmte Menge davon zu kaufen. Mit diesem System haben sich in den vergangenen Jahren vor allem die Mitverbrennung von Biomasse in Kohle-Großkraftwerken und die Windkraft gut entwickelt. Solarstrom-Anlagen spielen bisher kaum eine Rolle.

Gute Ausbauchancen sieht Masalski derzeit für Biogasanlagen. Es gebe das Ziel, bis zum Jahr 2020 in jeder der 2.000 polnischen Gemeinden eine solche Anlage zu errichten, die vor Ort Strom und Wärme erzeugt. Bisher seien in Polen erst 150 Biogasanlagen gebaut worden. Zum Vergleich: In Deutschland sind inzwischen mehr als 8.000 Biogasanlagen in Betrieb, der Ausbau wurde hier inzwischen weitgehend gestoppt.

Die polnische Energieerzeugung wird bisher von Braun- und Steinkohlekraftwerken dominiert, die Masalski zufolge 90 % des Stroms produzieren. Außerdem plant Polen, eine eigene Atomwirtschaft mit zunächst zwei Kraftwerken aufzubauen.


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