Ein Leitungsengpass zwischen Thüringen und Bayern führt zu einem Stromüberschuss in Ostdeutschland und zu Stromknappheit in Süddeutschland. Damit dennoch in ganz Deutschland ein einheitlicher Strombörsen-Preis ermittelt werden kann, nutzen die Übertragungsnetz-Betreiber zunehmend den sogenannten „Redispatch“.


Im City-Hochhaus am Leipziger Augustusplatz ermittelt die Energiebörse EEX mit ihrer Tochter Epex Spot einen einheitlichen deutschen Strombörsen-Preis. Foto: Stefan Schroeter


In den sechs ostdeutschen Bundesländern und Hamburg ist der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch im vergangenen Jahr 2012 auf 35 Prozent angestiegen. Damit wurde hier bereits ein Ziel erreicht, das sich die gesamte Bundesrepublik erst für das Jahr 2020 gestellt hat. Da in der Region aber traditionell auch große Mengen Braunkohlenstrom produziert werden, entsteht ein wachsender Stromüberschuss, der in andere deutsche Regionen transportiert werden muss.

Als Engpass erweist sich dabei vor allem die Verbindung zwischen Thüringen und Bayern. Seit vielen Jahren arbeiten der ostdeutsche Übertragungsnetz-Betreiber 50Hertz und der in Bayern aktive holländische Übertragungsnetz-Betreiber Tennet bereits an einer zweiten Verbindung durch den Thüringer Wald, der sogenannten Südwest-Kuppelleitung. Doch da sich die Bevölkerung hartnäckig gegen diese neue Leitung in der ökologisch sensiblen und touristisch bedeutsamen Region wehrt, fehlen immer noch die Baugenehmigungen für den letzten Abschnitt. Als Ziel für die Inbetriebnahme gilt das Jahr 2015. Dann geht das AKW Grafenrheinfeld auf bayerischer Seite außer Betrieb, so dass der ohnehin schon große Strom-Importbedarf in Süddeutschland weiter steigt. 

Trotz dieses Engpasses, der seit der Abschaltung von fünf süddeutschen AKW zu Stromknappheit in Süddeutschland führt, halten Politik und Stromwirtschaft an einem einheitlichen Strommarkt in Deutschland fest. Damit in ganz Deutschland weiterhin der gleiche Strombörsen-Preis ermittelt werden kann, nutzen die Übertragungsnetz-Betreiber zunehmend den sogenannten „Redispatch“. Dabei werden kostengünstige Kraftwerke im Netzgebiet mit Stromüberschuss heruntergefahren und teure Kraftwerke im Netzgebiet mit Strommangel hochgefahren.

Die Mehrkosten für diese eigentlich marktfremden Eingriffe trägt je nach Einigung einer oder jeder der beiden Netzbetreiber. Sie werden dann auf die Netzentgelte umgelegt – also auf die kleinen und mittelgroßen Stromverbraucher, die nicht wie die Strom-Großverbraucher von Netzentgelten befreit sind. Der Nutzen wiederum dürfte vor allem bei den Strom-Großverbrauchern und Weiterverteilern im süddeutschen Raum liegen, die vom einheitlich niedrigen deutschen Strombörsen-Preis profitieren.

Engpässe und Redispatch beim Stromtransport nach Süddeutschland gibt es auch auf dem Weg aus dem Norden. Doch der Schwerpunkt liegt deutlich auf dem Weg von Osten, und die Kosten dafür steigen. Für das Jahr 2011 hatte die Bundesnetzagentur bundesweite Redispatchkosten von 120 Millionen Euro ermittelt, doppelt so viel wie noch 2007. Allein 50Hertz hatte davon 101 Mio. Euro zu tragen – ein wesentlicher Grund dafür, dass der Übertragungsnetz-Betreiber seine Netzentgelte für 2013 um 40 Prozent anheben musste.

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