In den ostdeutschen Bundesländern sind immer noch die meisten Bürger dafür, die Energiewirtschaft umzubauen. Den Kommunen mangelt es weiter an Energiekonzepten, und bei energieintensiven Unternehmen nimmt die Skepsis gegenüber der Energiewende nur langsam ab.


Ostdeutsche Bürger hinterfragen zunehmend die Bezahlbarkeit der Energiewende. Kommunen und energieintensive Unternehmen halten dagegen den weiteren Netzausbau für besonders wichtig. Foto: Stefan Schroeter


Die breite Mehrheit der Bürger in Ostdeutschland befürwortet weiterhin die Energiewende, während die Skepsis in energieintensiven Unternehmen etwas abgenommen hat. Dies ist das Ergebnis der Studie „Energiewelt Ost“, die das Kompetenzzentrum Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge an der Universität Leipzig gemeinsam mit dem regionalen Energieversorger Enviam zum zweiten Mal durchgeführt hat. Danach halten 76 Prozent der ostdeutschen Bürger den Umbau der Energieversorgung nach wie vor für sinnvoll. Ähnlich positiv sehen die Kommunen diesen Wandel. Deutlich skeptischer zeigen sich dagegen energieintensive Unternehmen: Nur 47% seien mit der Vorgehensweise einverstanden, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von Kompetenzzentrum und Enviam. Immerhin stieg die Zustimmung bei den Betrieben im Vergleich zum Vorjahr etwas an.

Einen geringfügigen Aufwärtstrend machten die Studienautoren bei Städten und Gemeinden aus, während die Zustimmung der Bevölkerung leicht zurückging. Die Bürger würden immer stärker die Bezahlbarkeit der Energiewende hinterfragen, lautet die Erkenntnis. Die überwiegende Mehrheit fordere, dass Steuern, Abgaben und Umlagen auf den Strompreis reduziert werden müssen. „Viele Ostdeutsche befürchten, dass gerade sozial schwache Haushalte ihre Stromrechnung künftig nicht mehr bezahlen können“, schreiben die Autoren. „Über die Hälfte der Bürger lehnt deshalb eine weitere Erhöhung der Strompreise im Zuge der Energiewende ab.“ Um steigenden Kosten vorzubeugen, wolle die breite Mehrheit der Bevölkerung Strom sparen. Dabei setze man vorrangig auf die Anschaffung effizienterer elektrischer Geräte.

Für die Städte und Gemeinden ist es der Studie zufolge am wichtigsten, dass die Stromnetze weiter ausgebaut werden. Immer mehr Kommunen wollen zudem die Energiewende selber aktiv vorantreiben, heißt es. Knapp die Hälfte plane ein eigenes Energiekonzept. Allerdings geben nur wenige Städte und Gemeinden an, bereits über ein entsprechendes Konzept zu verfügen.

Auch für die energieintensiven Unternehmen ergaben die Befragungen, dass der Ausbau der Stromnetze für sie erste Priorität hat. Im Strommix spielen die konventionellen Energien für die Betriebe nach wie vor eine bedeutende Rolle. Gut zwei Drittel sprechen sich dafür aus, auch neue Kohle- und Gaskraftwerke zu bauen. Fast die Hälfte der Betriebe plant, die eigene Energieerzeugung auszubauen und damit energieautark zu werden.

Für die Studie „Energiewelt Ost“ wurden bis Februar 2013 telefonisch 1.650 Haushalte befragt. Per Fragebogen erkundeten die Autoren die Meinungen von 194 Kommunen und 30 Unternehmen der energieintensiven Industrie.