Heißwasser aus dem Braunkohlekraftwerk Lippendorf liefert die Grundlast für das Leipziger Fernwärmesystem. Vattenfall will das Kraftwerk zwar verkaufen, verlängerte jetzt aber dennoch den Fernwärmevertrag mit den Stadtwerken Leipzig um zehn Jahre.


An der Fernwärme-Übergabestation wird das Heißwasser aus Lippendorf in das Leipziger Netz gespeist. Foto: Stefan Schroeter


Die SWL Stadtwerke Leipzig haben den Fernwärmebezug aus dem Braunkohlekraftwerk Lippendorf bis zum Jahr 2023 verlängert. Einen entsprechenden Vertrag schlossen SWL und der Lippendorf-Betreiber Vattenfall Europe gestern an der Fernwärme-Übergabestation in Leipzig. Das Heißwasser aus Lippendorf gelangt über eine 15 Kilometer lange Rohrleitung bis zur Übergabestation im Süden Leipzigs, wo es in das System der Stadtwerke eingespeist wird.

Lippendorf deckt mit jährlich etwa 900 Gigawattstunden mehr als die Hälfte des Leipziger Fernwärmebedarfs, der bei 1.500 bis 1.600 GWh liegt. Das Braunkohlekraftwerk liefert dabei mit einer Leistung von 200 Megawatt die Grundlast für das Fernwärmesystem. Die Mittellast steuert das eigene Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk der Stadtwerke bei. Für die Spitzenlast kann SWL weitere 130 MW aus Lippendorf abrufen oder drei eigene Heizwerke am Standort Leipzig-Nordost einsetzen.

Wie SWL-Geschäftsführer Raimund Otto sagte, sind die finanziellen Konditionen für die von Vattenfall gelieferte Fernwärme ähnlich geblieben. „Damit wird es zumindest durch diesen Vertrag nicht zu einer Preiserhöhung für unsere Kunden kommen“, versicherte Otto. Verbessert wurde die Versorgungssicherheit durch einen Doppelblock-Betrieb im Winter: Bei Außentemperaturen von weniger als minus vier Grad Celsius kann SWL in Lippendorf die Wärmelieferung aus beiden Kraftwerksblöcken bestellen. Damit soll das Ausfallrisiko für den Fall gesenkt werden, dass es in einem Block zu einer technischen Störung kommt.

Vattenfalls aktuelle Verkaufspläne für das Kraftwerk Lippendorf sollen sich nicht auf die Fernwärme-Lieferungen für Leipzig auswirken, bekräftigten Otto und Vattenfalls Kraftwerksvorstand Klaus Aha. Wann und an wen der Verkauf erfolgt, sei derzeit noch nicht absehbar, sagte Aha. Gleichzeitig deutete er an, dass sich die schwedische Muttergesellschaft möglicherweise nicht nur von Lippendorf, sondern von ihrem gesamten deutschen Geschäft trennen könnte.

Um die Leipziger Versorgung mit Fernwärme auch unter ungünstigen Umständen abzusichern, will SWL bis zum Herbst 2014 zwei neue Anlagen errichten. Das erste Projekt ist ein viertes Heizwerk in Nordost mit 35 MW Leistung, in das 2,5 Mio. Euro investiert werden sollen. Beim zweiten Projekt handelt es sich um einen Heißwasserspeicher in Leipzig-Süd, die erste derartige Anlage für die Stadtwerke. Der 3,5 Mio. Euro teure Speicher soll ebenfalls über eine Leistung von 35 MW verfügen und bis zu 225 Megawattstunden Wärmeenergie aufnehmen können. Damit ist er in der Lage, den möglichen Ausfall eines Heizwerks für sieben Stunden auszugleichen. Außerdem will SWL ihn nutzen, um Wärme aus dem GuD-Kraftwerk zu speichern und bedarfsgerecht wieder abzurufen.

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