Die Strom- und Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien in Leipzig ist noch sehr ausbaufähig. In ländlichen Regionen dagegen müssen Ökokraftwerke immer öfter abgeregelt werden, damit sie die Stromnetze nicht überlasten.


Bisher gibt es kaum Solaranlagen auf Leipzigs Dächern. Sie könnten einen großen Teil des Strombedarfs decken. Archivfoto 2012: Stefan Schroeter


Lokale erneuerbare Energien könnten in Leipzig künftig mit 15 Prozent zur Wärmeversorgung und mit 34% zur Stromversorgung beitragen. Diese Zahlen nannte Winfried Damm, Generalbevollmächtigter der Stadtwerke Leipzig, am Dienstag bei der Konferenz „Energy Ecosystems“ (Deutsch: Energie-Ökosysteme) auf dem Universitätscampus. Eine wichtige Rolle für die Stromversorgung könnten Solarstrom-Anlagen spielen, die Damm zufolge allein bis zu 30% des Strombedarfs der Stadt zu decken vermögen. „In einer Großstadt ist es aufgrund der geringen Flächendichte der erneuerbaren Energien nicht möglich, diese Großstadt autark zu versorgen, ohne dass von außen Energie hineinströmt“, sagte Damm. Eine Zahl zum gegenwärtigen Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung in Leipzig hatte er zunächst nicht dabei, reichte sie aber später nach. Demnach lag dieser Anteil im vergangenen Jahr 2012 bei 4%.

Zum Jahresanfang 2013 gab es im Gebiet der SWL-Tochter Netz Leipzig 608 Anlagen, die Strom aus erneuerbaren Energien produzieren, ins Netz einspeisen und dafür eine Vergütung nach dem EEG Erneuerbare Energien Gesetz erhalten. Sie verfügen über eine Spitzenleistung von 15 Megawatt. In den äußeren Stadtteilen, die erst vor einigen Jahren nach Leipzig eingemeindet wurden und in denen ein anderer Netzbetreiber aktiv ist, sind etwas weniger EEG-Anlagen am Netz. Da dort größere Flächen zur Verfügung stehen, sind allerdings auch die Anlagen deutlich größer und leistungsstärker: 538 Anlagen können maximal 42 MW leisten. Das größte Ökokraftwerk steht in Althen-Kleinpösna – ein Solarstrompark mit 7,3 MWp. Typisch für die Stadt sind allerdings eher sehr viel kleinere Solaranlagen, die auf ein Hausdach passen.

Um den weiteren Ausbau der Solarenergie-Nutzung zu unterstützen, hat die Stadtverwaltung im April ein Solardach-Kataster veröffentlicht, in dem Daten zur Ausrichtung, Neigung, Größe und Verschattung der Leipziger Dachflächen dokumentiert sind. Diese Daten sollen dabei helfen, erste Einschätzungen zur möglichen Größe einer Solaranlage und ihren jährlichen Ertrag zu treffen. Nach Angaben der Stadtverwaltung sind insgesamt vier Millionen Quadratmeter sehr gut für Solaranlagen geeignet. Bisher ist dieses Potenzial kaum erschlossen: Aktuell wird gerade einmal 0,1% des gesamten Strom- und Wärmeverbrauchs in der Stadt durch Fotovoltaik und Solarwärme gedeckt.

Ganz anders ist die Situation beim überregionalen Netzbetreiber Mitnetz Strom, der in ländlichen Gebieten Brandenburgs, Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens aktiv ist. Der Ökostrom, der in seinem Netzgebiet erzeugt wird, deckt inzwischen 60% des Bedarfs der dortigen Endkunden. Wie Uwe Härling, Leiter der Region Westsachsen, auf der Konferenz berichtete, ist dieser Anteil des Ökostroms am Endkunden-Absatz in Brandenburg mit 94% und in Sachsen-Anhalt mit 89% sogar noch wesentlich höher.

Etwas relativiert werden diese beeindruckenden Zahlen, wenn auch die Strommengen berücksichtigt werden, die Mitnetz Strom an die Stadtwerke in seinem Netzgebiet liefert. Dann sinkt der Ökostrom-Anteil am Stromverbrauch im Mitnetz-Gebiet auf 30%. Das liegt knapp unter dem Ziel von 35%, das die Bundesregierung mit ihrer Energiewende bis zum Jahr 2020 erreichen will.

Die großen, schwankenden Mengen Wind- und Solarstrom, die in den Leitungen des Unternehmens unterwegs sind, stellen den Netzbetrieb schon jetzt vor große Herausforderungen: Damit das Netz bei starker Wind- und Solarstrom-Einspeisung nicht überlastet wird, musste Mitnetz im vergangenen Jahr 87 Mal in den Betrieb dieser Anlagen eingreifen, um ihre Stromeinspeisung abzusenken. Im laufenden Jahr war dies bisher 61 Mal notwendig. „Dabei kommen die windstarken Monate erst noch“, sagte Härling.

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