Zusätzlich zur umstrittenen Südwest-Kuppelleitung hatten die Übertragungsnetz-Betreiber den Bau einer weiteren Höchstspannungsleitung durch den Thüringer Wald beantragt. Damit waren sie auf die Ablehnung der Thüringer Landesregierung gestoßen.


Für eine 380-Kilovolt-Freileitung über Altenfeld nach Redwitz in Bayern wurde in Thüringen bereits das Raumordnungsverfahren abgeschlossen. Ein weiteres Leitungsprojekt von Altenfeld nach Grafenrheinfeld wird wohl nicht umgesetzt. Karte: www.openstreetmap.org / CC-BY-SA 2.0


Thüringen hat den Bau einer weiteren Höchstspannungs-Stromleitung über die Landesgrenze nach Bayern offenbar abgewendet. Im aktuellen Entwurf des NEP Netzentwicklungsplans sei die zusätzliche Stromtrasse durch den Thüringer Wald nicht bestätigt worden, teilte  das Landes-Bauministerium Mitte September mit. Diese neue 380-Kilovolt-Leitung von Altenfeld/Schalkau nach Grafenrheinfeld hatten die Übertragungsnetz-Betreiber bei der Bundesnetzagentur beantragt. Damit waren sie auf die Ablehnung der Landesregierung gestoßen, die eine weitere Querung der Region aus touristischen und Naturschutzgründen ablehnt. Das Bauministerium hatte stattdessen vorgeschlagen, die Transportleistung einer bestehenden 380-kV-Leitung zwischen Schalkau in Thüringen und Redwitz in Bayern auszubauen.

Derzeit baut der ostdeutsche Übertragungsnetz-Betreiber 50Hertz bereits an einer sogenannten Südwest-Kuppelleitung durch den Thüringer Wald nach Bayern, die in der Bevölkerung einen starken Widerstand ausgelöst hatte. Vor einem Jahr wurde damit begonnen, den zweiten Abschnitt dieser Leitung zu montieren. Für den dritten Abschnitt hatte das Thüringer Landesverwaltungsamt im April 2011 das Raumordnungs-Verfahren abgeschlossen. Das Planfeststellungs-Verfahren wurde allerdings bisher noch nicht eröffnet. Auf dem gleichen Stand befindet sich der Abschnitt, der von der Landesgrenze ins bayerische Redwitz führt. Dafür ist der dortige Übertragungsnetz-Betreiber Tennet zuständig. Das Ziel beider Netzbetreiber ist es, die Leitung bis 2015 vollständig in Betrieb zu nehmen. Dann soll das nahe bayerische Kernkraftwerk Grafenrheinfeld abgeschaltet werden.

Bisher gibt es zwischen den beiden Bundesländern nur eine 380 KV-Leitung, die von Remptendorf in Thüringen nach Redwitz in Bayern führt. Sie ist oft überlastet, weil sie große Strommengen aus der Stromüberschuss-Region Ostdeutschland in das Strommangel-Gebiet Süddeutschland transportieren muss. Deshalb wird bereits in großem Maßstab ostdeutscher Strom auf dem Umweg über Polen und Tschechien nach Bayern transportiert. Da es sich dabei meist um stark schwankende Windstrom-Mengen handelt, stößt dies bei den dortigen Netzbetreibern auf Widerstand.

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