Der Energiekonzern Vattenfall hatte im Oktober 2012 einen neuen Block im Braunkohlekraftwerk Boxberg in Betrieb genommen. Im ersten Jahr Dauerbetrieb hat er den prognostizierten Wirkungsgrad erreicht, die früheren Stahlprobleme waren nicht spürbar.


Der Boxberger Kraftwerksblock R (vorn) stößt etwas weniger Kohlendioxid aus als der benachbarte Block Q (hinten). Archivfoto 2012: Stefan Schroeter


Der neue Block R im sächsischen Braunkohlekraftwerk Boxberg hat im ersten Jahr seines Vollbetriebs alle Erwartungen des Betreibers Vattenfall erfüllt und zum Teil sogar übertroffen. Der 675 Megawatt starke Block habe mit einem durchschnittlichen Wirkungsgrad von 43,7 Prozent den prognostizierten Wert erreicht, teilte der Energiekonzern mit. Die eigenen Fachleute gingen sogar davon aus, dass unter optimalen Bedingungen ein Wirkungsgrad von 44 % erreichbar sei. Damit brauche Block R deutlich weniger Kohle als Anlagen vergleichbarer Größe, um dieselbe Menge Strom zu erzeugen.

Wie Vattenfall auf Anfrage mitteilte, werden hier 917 Kilogramm Braunkohle für eine Megawattstunde Strom eingesetzt. Der benachbarte Boxberger Block Q, der im Jahr 2000 in Betrieb gegangen war und über eine Stromleistung von 900 MW verfügt, arbeitet noch mit einem Wirkungsgrad von 42 % und benötigt daher 965 kg/MWh. Der geringere Kohleverbrauch in Block R wirkt sich auch auf den spezifischen Kohlendioxid-Ausstoß aus, zu dem Vattenfall allerdings keine aktuellen Zahlen nannte. Nach früheren Angaben entweicht bei Block Q eine CO2-Menge von 995 kg/MWh in die Atmosphäre, bei Block R sind es noch 924 kg/MWh.

Um den höheren Wirkungsgrad im Block R zu erreichen, hatten Vattenfall und sein Kesselbauer Hitachi Power Europe eine neue Hochleistungs-Stahlsorte eingesetzt, bei der es wie auch bei anderen Kraftwerksbauten zu Problemen kam. Sie konnten letztlich gelöst werden. Doch der Bau des Blocks dauerte deshalb zwei Jahre länger und wurde mit 1 Mrd. Euro auch um ein Viertel teurer als ursprünglich geplant. Im Oktober 2012 konnte er schließlich den Dauerbetrieb aufnehmen. Seitdem seien keine verfahrenstechnisch spürbaren Auswirkungen der früheren Stahlprobleme festgestellt worden, teilte Vattenfall nun mit. Der Kessel sei bisher unauffällig gewesen.

Der Kraftwerksbetreiber hat das vergangene Jahr auch genutzt, um den Block weiter zu optimieren. Dabei wurde schrittweise getestet, wie weit sich die Mindestlast dieser Anlage auf Anforderung des Netzbetreibers absenken lässt, ohne den Kessel ganz abfahren zu müssen. Dabei erwies sich, dass sich eine Mindestlast von 310 MW, für die diese Anlage ausgelegt ist, sicher erreichen lässt. Sogar bei einer weiteren Absenkung der Mindestlast auf 200 MW, also um mehr als zwei Drittel, ist ein stabiler Betrieb von Block R möglich.

Nach Vattenfalls Darstellung gliedert sich diese neueste Anlage sehr gut in den flexiblen Braunkohle-Kraftwerkspark des Unternehmens ein, der auch 2013 den erneuerbaren Energieerzeugern zur Seite gestanden habe. Fast jeden dritten Tag sei das regulierende Eingreifen der Kraftwerksanlagen gefragt gewesen, um die schwankenden Einspeisungen von Solar- und Windstrom auszugleichen und die Netzfrequenz stabil bei 50 Hertz zu halten. Insgesamt waren es im vergangenen Jahr 1.819 Stunden, in denen sie je nach Bedarf die eigene Leistung drosselten oder steigerten.

Insgesamt stellen die vier von Vattenfall betriebenen Kraftwerksstandorte ein Regelpotential von 5.900 MW zur Verfügung, in welchem sie flexibel herauf- oder herunterfahren können. Die Regelgeschwindigkeit und Flexibilität seiner Braunkohlenkraftwerke will Vattenfall in den kommenden Jahren weiter verbessern. Dies ist zum Beispiel durch den Einsatz neuer Bauteile und Materialien möglich, die weniger träge auf Temperaturänderungen reagieren; durch den Einsatz neuer „Flammenwächter“, mit denen sich auch bei geringer Brennstoffzufuhr das Kohlefeuer im unteren Lastbereich sicher überwachen lässt, und durch die Nutzung von Trockenbraunkohle-Zündbrennern, die noch in diesem Jahr an einem Dampferzeuger am Kraftwerksstandort Jänschwalde erprobt werden sollen.

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