Das BASF-Tochterunternehmen verkauft seine VNG-Anteile an den Großaktionär EWE. Damit erreicht der Oldenburger Energiekonzern nun im zweiten Anlauf die Mehrheit bei dem Leipziger Unternehmen, das bisher weitgehend eigenständig war.


Bei Verbundnetz Gas könnte der Großaktionär EWE mit Hilfe von Wintershall nun doch noch zum Mehrheitsaktionär aufsteigen. Foto: Stefan Schroeter


Der Erdöl- und Erdgasproduzent Wintershall plant, sich von seiner Beteiligung am  ostdeutschen Energiekonzern VNG Verbundnetz Gas zu trennen. Dazu sei am heutigen Freitag mit EWE die Übernahme des 15,79-prozentigen Wintershall-Anteils an VNG vereinbart worden. Die Transaktion bedürfe der Zustimmung der Kartellbehörden. Zudem stehe sie unter Gremienvorbehalten in beiden Gesellschaften und unter dem Vorbehalt der Zustimmung der VNG-Hauptversammlung. Zum Verkaufspreis sei Stillschweigen vereinbart worden.

Als Grund für den geplanten Verkauf nennt Wintershall die „strategische Konzentration auf den Upstream-Bereich“ – also auf die  Förderung von Erdöl und Erdgas – die seit zwei Jahren zunehmend betrieben werde. In Folge dessen trennt sich das Tochterunternehmen des BASF-Konzerns auch vom eigenen Erdgashandels- und Speichergeschäft. So hat es einen Anteilstausch mit dem russischen Energiekonzern Gasprom vereinbart, bei dem das bislang gemeinsam betriebene Erdgashandels- und Speichergeschäft vollständig an Gasprom abgegeben wird. Im Gegenzug erhält es weitere Beteiligungen an westsibirischen Gasfeldern. Mit der Entscheidung, sich von den VNG-Anteilen zu trennen, setzt Wintershall diese Strategie weiter fort.

Mit dem geplanten Anteilsverkauf eröffnet Wintershall dem Oldenburger Energiekonzern EWE eine neue Möglichkeit, die Mehrheit an dem bisher weitgehend eigenständigen Energiekonzern VNG  zu übernehmen. Derzeit hält EWE einen Anteil von 47,90 Prozent an dem in Leipzig ansässigen Unternehmen. Weitere Aktionäre sind zum einen Gasprom und zum anderen eine Gemeinschaft von zehn ostdeutschen Städten, die eine Sperrminorität von 25,79 Prozent hält.

EWE war im Jahr 2004 als strategischer Partner bei VNG eingestiegen, beide Unternehmen strebten eine enge Zusammenarbeit unter dem Dach einer gemeinsamen Holding an. Als dieses Holdingprojekt scheiterte, versuchte EWE in den folgenden Jahren, kommunalen VNG-Aktionären wie Halle und Jena ihre Anteile abzukaufen und so eine Mehrheit zu erreichen. Letzten Endes war dieser Versuch aber nicht erfolgreich. In den vergangenen Jahren hatten allerdings auch Städte wie Erfurt und Dresden die Absicht bekundet, ihre VNG-Anteile zu verkaufen. Die anderen kommunalen VNG-Aktionäre haben dafür ein Vorkaufsrecht, so dass ihre Sperrminorität bestehen bleiben kann, wenn sie sich mit den Verkäufern über den Preis einigen.

Der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung sieht sich durch die aktuelle Entwicklung in der Strategie bestärkt, die kommunale Sperrminorität zu sichern. Dabei stimmen ihn auch die ersten Signale von EWE zuversichtlich: „Der neu entstehende Mehrheitseigner hat der Stadt gegenüber klar erklärt, die VNG AG am Standort Leipzig nachhaltig weiterentwickeln zu wollen.“

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