Statistisch gesehen zählt die deutsche Stromversorgung zu den sichersten in Europa. Doch Statistiken sagen nicht alles, und zumindest in einer Straße Leipzigs scheint der Blackout allmählich zum Normalzustand zu werden.

Techniker der Netzgesellschaft suchten gestern wieder mal den Fehler im Kabel. Foto: Stefan Schroeter


Die deutsche Stromversorgung wird immer sicherer, besagt eine Statistik der Bundesnetzagentur. Obwohl zunehmend Strom aus schwankenden Quellen wie Solar- und Windkraftwerken in die Netze gespeist wird, haben die Techniker die Versorgung scheinbar immer besser im Griff. Ganze 15 Minuten pro Stromkunde fiel im Jahr 2013 hierzulande durchschnittlich der Strom nur noch aus, während es im Jahr 2006 noch 21 Minuten waren. Der Branchenverband BDEW berichtet, dass es in dieser Hinsicht in der Europäischen Union nur noch zwei Nationen besser geht: den Luxemburgern mit 10 Minuten und den Dänen mit 11 Minuten. Viel schlechter haben es dagegen die Stromkunden in Polen, die mehr als vier stromlose Stunden ertragen müssen, und auf Malta, wo es sogar sechs Stunden sind.

Statistiken sagen nicht alles und verschleiern manches. Die 15 Minuten für Deutschland sind natürlich nur ein Durchschnittswert. Es ist also anzunehmen, dass für viele deutsche Kunden der Strom über Jahrzehnte hinweg zuverlässig aus der Steckdose kommt. Andere Kunden werden dagegen wohl aller paar Jahre einmal für einige Stunden überraschend von der Elektrizitätszufuhr abgeschnitten. Eher ungewöhnlich dürfte es allerdings sein, wenn das jedes Jahr einmal oder sogar mehrmals im Jahr vorkommt.

 

Ohne Strom kein Text

Zu den unzuverlässigsten Stromversorgungs-Standorten des Landes gehört die Straße im Westen Leipzigs, in der ich seit 16 Jahren wohne und arbeite. Hier ist immer mal wieder der Strom plötzlich für einige Stunden weg. Für einen Journalisten ist das besonders dann ärgerlich, wenn er gerade an einem Text schreibt, auf den eine Redaktion schon wartet. Denn der Computer, in den er den Text bereits teilweise eingegeben hat, schaltet sich im stromlosen Zustand sofort komplett ab und rückt das Geschriebene erst heraus, wenn die Elektronen wieder fließen.

Daher entschloss ich mich im Frühjahr 2010, mir endlich eine Pufferbatterie zuzulegen. Zwischen Steckdose und Computer geschaltet, sollte sie bei der nächsten Elektropanne noch genügend Strom liefern, damit ich ausreichend Zeit hätte, meinen Text abzuspeichern und auf ein bewegliches Medium zu kopieren. Dann könnte ich meinen Laptop nehmen, mir ein normal elektrifiziertes Arbeitsasyl suchen und dort den geretteten Text weiter schreiben.

Dieses Notfallkonzept bewährte sich schon im darauf folgenden Herbst, als wieder einmal der Strom ausfiel. Ich rettete also meinen Text, fuhr den Computer geordnet herunter und rief die Störungsstelle an. Dann rückten die Techniker der Leipziger Netzgesellschaft wie gewohnt mit Messfahrzeug, Bagger und Kipper an, machten den Leitungsschaden ausfindig und behoben ihn irgendwann im Laufe des Tages. Seitdem bin ich also einigermaßen dafür gerüstet, wenn es wieder mal zum plötzlichen Schwarzaus (Englisch: Blackout) kommt.

 

Zwei Blackouts zuviel

Nach den letzten beiden Blackouts habe ich allerdings das Gefühl, dass es so auf Dauer auch nicht weitergehen kann. Ärgerlich war schon, dass der Strom am vergangenen Sonnabend ausgerechnet beim Sportschau-Bericht über die Fußball-Bundesliga weg war und erst am Sonntag Vormittag wiederkam. Normalerweise haben wir in unserem Haus und in den Nachbarhäusern nach einer solchen Elektropanne auch zumindest einige Monate lang Ruhe, bevor die Leitungen erneut stromlos werden. Doch diesmal war der Stromkreis schon am Montag wieder unterbrochen. Das sind jetzt zwei Stromausfälle zuviel.

Es ist an der Zeit, dass die Kollegen von Netz Leipzig einmal zusammenzählen, welches Geld sie über die Jahre hinweg schon für die ständigen Reparatureinsätze in unserer Straße ausgegeben haben. Dann kommen sie sicher zu dem Ergebnis, dass es langfristig günstiger ist, das marode Stromkabel endlich einmal gegen eine neue, haltbare Leitung auszutauschen. Der Ärger und Schaden, den meine Nachbarn und ich immer wieder mit den stromlosen Zuständen haben, ist da noch gar nicht einkalkuliert.

Aber natürlich warte ich nicht nur darauf, dass die Netzgesellschaft sich besinnt. Ich habe jetzt angefangen, meine persönliche Stromausfall-Statistik zu erstellen. Mit den beiden Blackouts der vergangenen Tage steht sie für das laufende Jahr bei 21 Stunden. Da kann selbst der geplagte Durchschnitts-Stromkunde auf Malta nicht mehr mithalten.


Vernetzen