In der Grüngas-Initiative haben sich sieben europäische Gasinfrastruktur-Unternehmen das Ziel gestellt, bis zum Jahr 2050 eine Kohlendioxid-neutrale Gasversorgung zu erreichen. Wie weit dieser Weg noch ist, zeigen die Zahlen des ostdeutschen Ferngas-Netzbetreibers Ontras.

Biomethan-Anlage in Altenhof, Mecklenburg-Vorpommern. Vorn ist die Einspeisetechnik des Ferngas-Netzbetreibers zu sehen. Foto: Ontras


Der ostdeutsche Ferngas-Netzbetreiber Ontras hat sich der Grüngas-Initiative (Englisch: Green Gas Initiative – GGI) mehrerer europäischer Partnerunternehmen angeschlossen. Der Beitritt erfolgte Ende April auf der 13. Gasinfrastruktur-Europa-Jahreskonferenz (Englisch: Gas Infrastructure Europe – GIE) in Dublin. GGI hat sich das Ziel gestellt, bis zum Jahr 2050 eine Kohlendioxid-neutrale Gasversorgung zu erreichen. Neben Ontras gehören ihr die Gasinfrastruktur-Unternehmen Energinet aus Dänemark, Fluxys aus Belgien, Gasunie aus den Niederlanden, Gaznat aus der Schweiz, GRT-Gaz aus Frankreich und Swedegas aus Schweden an.   

Die Initiative verfolgt vier technische Entwicklungspfade. Dabei handelt es sich erstens um die Aufbereitung von Biogas zu Biomethan oder Bioerdgas, so dass es mit der vorhandenen Gas-Infrastruktur transportiert und gespeichert werden kann. Zweitens soll ein gemeinsamer Markt für Grüngas-Zertifikate etabliert werden. Drittens strebt GGI an, verdichtetes Erdgas (Englisch: Compressed Natural Gas – CNG) und verflüssigtes Erdgas (Englisch: Liquefied Natural Gas – LNG) als alternative, schadstoffarme Treibstoffe für Straßenfahrzeuge und Schiffe voranzubringen. Und viertens will sie das Potenzial der Gaserzeugung aus Strom (Englisch: Power to Gas – PtG) erkunden, die eine Stromspeicherung in großem Maßstab ermöglichen könnte.

Wie weit der Weg zur Kohlendioxid-Neutralität noch ist, zeigen die aktuellen Zahlen von Ontras. Durch sein überregionales Ferngasnetz transportiert das Unternehmen jährlich 148 Milliarden Kilowattstunden Erdgas. Dieses Erdgas stammt derzeit noch zu 99 Prozent aus fossilen Quellen, so dass mit seiner Verbrennung zusätzliches Kohlendioxid freigesetzt wird.

In das Ontras-Netz speisen derzeit außerdem 19 Biomethan-Anlagen insgesamt 155 Millionen Kubikmeter Bioerdgas ein. Das entspricht etwa 1,4 Mrd. kWh oder 0,9 Prozent der gesamten Transportmenge. Hinzu kommen zwei Wasserstoff-Einspeiseanlagen, die 41 Mio. kWh beitragen. Um das Ziel der Grüngas-Initiative zu erreichen, müsste Ontras also bis 2050 den bisherigen Anteil der Kohlendioxid-neutralen Transportmengen verhundertfachen.

Der in Leipzig ansässige Ferngas-Netzbetreiber ist eine Tochtergesellschaft des Erdgas-Großhändlers Verbundnetz Gas. Ontras hatte im Geschäftsjahr 2013 mit 278 Mitarbeitern einen Umsatz von 271 Mio. Euro und einen Jahresüberschuss von 119 Mio. Euro erwirtschaftet. Der Geschäftsbericht für 2014 liegt noch nicht vor.