Der Braunkohleförderer Mibrag hatte im April angekündigt, seine Exporte von Rohbraunkohle nach Tschechien bis zum Jahresende zu beenden. In tschechischen Medien waren Zweifel daran aufgekommen, die nun von der Muttergesellschaft EPH ausgeräumt wurden.

Opatovice gross

Das Heizkraftwerk Opatovice soll im nächsten Jahr ohne Mibrags Braunkohle auskommen. Archivfoto 2011: Karelj / Wikimedia / CC BY 3.0


Die tschechische EPH Energetický a Prùmyslový Holding hat bestätigt, dass die umstrittenen Kohleexporte ihres deutschen Tochterunternehmens Mibrag nach Tschechien zum Jahresende 2015 beendet werden sollen. Eine entsprechende Ankündigung, die Mibrag-Geschäftsführer Joachim Geisler im April gemacht hatte, war Ende Mai in der tschechischen Presse in Frage gestellt worden.

Die Zeitung Mladá Fronta Dnes hatte EPH-Sprecher Daniel Častvaj mit der Aussage zitiert, dass ein Ende der Mibrag-Kohlelieferungen an das tschechische Kraftwerk Opatovice eine reine Spekulation sei. Dieses Zitat war danach auch vom tschechischen Internetportal Iuhli.cz übernommen worden. Doch Častvaj erklärte jetzt auf Anfrage, dass es sich dabei um ein Missverständnis handelt: „Mein Zitat war nur eine falsche Interpretation meiner Worte. Ich kann Mibrags Erklärung vollkommen bestätigen.“

Mibrag liefert seit dem Jahr 2012 Rohbraunkohle aus dem Tagebau Profen in Sachsen-Anhalt per Bahntransport an die tschechischen Kraftwerke Opatovice und Most-Komořani, die von EPH-Tochterunternehmen betrieben werden. Wurden im ersten Jahr zunächst nur 161.000 Tonnen Kohle auf diese Weise nach Tschechien exportiert, stiegen die Transportmengen in den Folgejahren stark an. Wie die tschechische Zeitung Hospodářské Noviny berichtete, soll Mibrag im vergangenen Jahr 2014 allein nach Opatovice insgesamt 1,4 Millionen t Kohle geliefert haben. Weitere 600.000 t soll das Kraftwerk aus dem tschechischen Tagebau Bílina bei Most bezogen haben.

Dem Bericht zufolge ist der Kohlebedarf von Opatovice inzwischen drastisch gesunken. Dafür gibt es im wesentlichen zwei Gründe: Die importierte Braunkohle hat sich verteuert, weil sie in Euro bezahlt wird und die tschechische Krone ihm gegenüber an Wert verloren hat. Außerdem ist in Tschechien der Großhandelspreis für Strom gesunken, so dass sich die Stromproduktion im Heizkraftwerk Opatovice nicht mehr lohnt. Daher wird es nur noch zur Wärmeversorgung genutzt. Dafür seien weniger als 1 Mio. t Rohbraunkohle nötig, heißt es bei Hospodářské Noviny.


Alternative Kohlelieferanten

Die Zeitung rechnet damit, dass der Tagebau Bílina im nächsten Jahr seine Lieferungen auf 700.000 t ausweitet. Weitere 200.000 t könnten aus dem Tagebau der „Tschechoslowakischen Armee“ kommen, der Opatovice auch schon früher beliefert hatte. In einem langwierigen Streit um die Lieferpreise aus diesem Tagebau hatte EPH damit begonnen, die Mibrag-Kohle zu importieren. Eine weitere mögliche Alternative für Opatovice wären Braunkohle-Lieferungen aus dem polnischen Braunkohle-Tagebau Turow.

EPH-Sprecher Častvaj bezeichnete den Bericht von Hospodářské Noviny als wahr, wollte aber die genannten Zahlen nicht bestätigen. Außerdem lehnte er es jetzt ebenso wie zuvor die Mibrag-Pressestelle ab, selbst Zahlen für Mibrags Lieferungen nach Opatovice und Most-Komořany zu nennen. Bei den Braunkohle-Lieferungen nach Opatovice habe EPH mehr als die genannten beiden zusätzlichen Möglichkeiten, ließ Častvaj durchblicken, ohne konkret zu werden.

Mibrags Kohleexporte aus dem Tagebau Profen nach Tschechien sind umstritten, weil  durch die langen Transportwege der stark wasserhaltigen Rohbraunkohle ein zusätzlicher Energieverbrauch und Kohlendioxid-Ausstoß entsteht. Die ohnehin ungünstige Umweltbilanz der Braunkohle wird damit noch weiter verschlechtert. Vor allem aber werden die Braunkohle-Vorräte in den beiden Mibrag-Tagebauen Profen und Vereinigtes Schleenhain schneller als bisher vorgesehen verbraucht.

So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen mit Unterstützung der Landesregierungen Sachsens und Sachsen-Anhalts daran geht, neue Abbaufelder in den bestehenden Tagebauen oder sogar den langfristig geplanten neuen Tagebau Lützen zu erschließen. Damit verbunden wären dann weitere Heimatverluste und Landschaftsschäden in den betroffenen Regionen.


Vernetzen