Das Kerngeschäft des kommunalen Energieversorgers war 2014 deutlich weniger profitabel als bisher. Dass sich der Gewinnrückgang in Grenzen hielt, ist ertragreichen Tochtergesellschaften und aufgelösten Rückstellungen zu verdanken.

Die Stadtwerke Leipzig stehen stärker unter Druck, bleiben aber die Ertragsperle im LVV-Konzern. Foto: Stefan Schroeter


Das Wetter, die Auswirkungen der Energiewende und ein zurückgefahrener Energie-Großhandel haben bei den SWL Stadtwerken Leipzig im vergangenen Geschäftsjahr 2014 deutliche Spuren hinterlassen. Der Umsatz ging um 31 Prozent auf 2,29 Milliarden Euro zurück, der Gewinn um 19% auf 54,7 Millionen Euro. Darüber berichtete am Freitag die stadteigene Holding LVV Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft. Ohne die Auflösung verschiedener Rücklagen wäre der SWL-Gewinn noch etwas stärker auf 40 Mio. Euro gesunken, sagte LVV-Geschäftsführer Volkmar Müller.

Müller und sein Kollege Norbert Menke führten den SWL-Gewinnrückgang zum einen darauf zurück, dass sich die Stromerzeugung im eigenen Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk wegen niedriger Strom-Großhandelspreise immer weniger lohnt. Weil der Wind nicht ausreichend wehte, produzierten auch die Windkraftwerke des Unternehmens weniger Strom als zuletzt. Im Geschäftsbericht wird außerdem eine „störungsbedingte Nichtverfügbarkeit des Biomasse-Heizkraftwerks Wittenberg-Piesteritz“ erwähnt.

Die ungewöhnlich warme Witterung des Jahres 2014 und ein intensiver Wettbewerb führten zu deutlich geringeren Vertriebserlösen beim Verkauf von Gas, Wärme und Strom an Endkunden. Einen starken Rückgang verbuchte SWL im Energie-Großhandel. In diesem Bereich, der von hohen Umsätzen und niedrigen Margen geprägt ist, nutzt das Unternehmen die Preisschwankungen des Großhandels für die günstige Beschaffung von Energieträgern und für ein eigenes Handelsgeschäft. Als Ursache für den Umsatzrückgang wurden regulatorische Vorgaben genannt, die zu höheren Prozesskosten geführt hätten.

 

Finanzströme im Netzgeschäft

Eine stabile Einnahmequelle scheint dagegen das Netzgeschäft zu sein, auch wenn die Finanzströme hier kompliziert sind und nur teilweise offengelegt werden. So führte die Gesellschaft Retis, in der SWL das Netzeigentum für Gas und Fernwärme gebündelt hat, allein 12,5 Mio. Euro Gewinn an die Muttergesellschaft ab. Retis verpachtet das Fernwärmenetz an SWL und das Gasnetz an die SWL-Tochter Netz Leipzig. Diese Netzgesellschaft wiederum pachtet außerdem das Leipziger Stromnetz von der Mutter SWL und betreibt alle drei Netze. Netz Leipzig erwirtschaftete damit einen Umsatz von 207 Mio. Euro und einen Gewinn von 448.000 Euro. In diesem Zusammenhang wäre es auch interessant gewesen, welche Pachtsummen zwischen den Gesellschaften fließen. Dies ist allerdings weder dem Geschäftsbericht zu entnehmen, noch war es auf Anfrage zu erfahren.

Zwei weitere Tochtergesellschaften trugen dazu bei, den Gewinnrückgang bei SWL zu begrenzen. Der polnische Wärmeversorger Gdańskie Przedsiębiorstwo Energetyki Cieplnej verdoppelte seine Gewinnausschüttung ausnahmsweise auf 10,6 Mio. Euro. Und der Abrechnungs-Dienstleister LAS, der im Vorjahr noch einen Verlustausgleich von 1,7 Mio. Euro brauchte, überwies diesmal 1,2 Mio. Euro.

 

Gewinn für die Holding

Obwohl der traditionell hohe SWL-Gewinn diesmal etwas niedriger ausfiel, konnte die Holding LVV für das Jahr 2014 nicht nur die Verkehrsleistungs-Finanzierungszahlung von 45 Mio. Euro an die zweite LVV-Tochtergesellschaft Leipziger Verkehrsbetriebe aufbringen. Unter dem Strich blieb der Holding sogar ein Jahresüberschuss von 24 Mio. Euro, nachdem im Vorjahr noch ein Verlust angefallen war. Dies gelang zum einen, weil die dritte LVV-Tochter, die KWL Kommunalen Wasserwerke, ihren bereinigten Gewinn deutlich auf 30 Mio. Euro steigern konnten. Zum anderen löste LVV einige Steuer-Rückstellungen auf.

Der Streit um eigenmächtige und verlustreiche Finanzgeschäfte zweier früherer KWL-Geschäftsführer ist noch nicht endgültig ausgestanden. Im vergangenen November wurden hohe Zahlungsforderungen mehrerer Banken von einem Londoner Gericht zurückgewiesen. Nun soll noch im Oktober ebenfalls in London über einen Berufungsantrag der Schweizer UBS-Bank verhandelt werden. Außerdem stehen im Streit mit der Landesbank Baden-Württemberg noch Prozesse vor dem Landgericht Leipzig und vor dem Oberlandesgericht Dresden aus, die zunächst ausgesetzt worden waren.


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