Deutscher Windstrom fließt zunehmend unkontrolliert in die tschechischen und polnischen Übertragungsnetze und gefährdet dort die Netzstabilität. Um die grenzüberschreitenden Stromflüsse besser kontrollieren zu können, rüsten die Netzbetreiber ihre Umspannwerke nun mit Phasenschieber-Transformatoren aus.

Im nordböhmischen Umspannwerk Hradec bei Kadaň werden Phasenschieber-Transformatoren gebaut. Foto: Čeps


Der tschechische Übertragungsnetz-Betreiber Čeps hat Anfang Juni mit dem Bau eines sogenannten physischen Phasenschiebers im nordböhmischen Umspannwerk Hradec bei Kadaň begonnen. Mit der Anlage will Čeps einen sicheren Betrieb des Übertragungssystems gewährleisten, wenn es zu extremen Stromflüssen und zu längeren Leitungsarbeiten kommt. Der in Tschechien bisher einmalige Phasenschieber soll nicht mehr als zwei Milliarden Kronen (73 Mio. Euro) kosten und bis zum Jahresende 2016 in Betrieb gehen.

Vom Umspannwerk Hradec führt eine grenzüberschreitende Höchstspannungs-Leitung zum deutschen Umspannwerk Röhrsdorf bei Chemnitz. Auf dieser Leitung hatte es Čeps zufolge in den vergangenen Jahren wiederholt ungeplante Stromflüsse gegeben, die das Unternehmen auf die hohe Windkraft-Produktion in Deutschland zurückführt. Wie der tschechische Netzbetreiber weiter berichtete, musste er in diesen Fällen zu kostspieligen Notfall-Maßnahmen greifen, damit das eigene Netz nicht vom deutschen Windstrom überlastet wurde.

Mit dem Phasenschieber in Hradec will Čeps künftig diese ungeplanten Stromflüsse aus Deutschland verhindern. Dabei sollen die Transformatoren der Anlage die drei Phasen des Drehstroms zueinander so verschieben, dass der Widerstand der Leitung steigt. Der Strom, der sich immer den Weg des geringsten Widerstands sucht, fließt dann über andere Leitungen. Damit arbeitet der Phasenschieber wie ein Ventil für Starkstrom.

 

Phasenschieber für Polen

Von den ungeplanten Stromflüssen aus dem deutschen Netz ist auch der polnische Übertragungsnetz-Betreiber PSE Polskie Sieci Elektroenergetyczne betroffen. Um die Auswirkungen zu begrenzen, arbeitet PSE bereits seit dem Sommer 2012 mit dem ostdeutschen Übertragungsnetz-Betreiber 50Hertz zusammen. Zunächst richteten die Unternehmen in einem Pilotprojekt einen sogenannten virtuellen Phasenschieber ein. Er soll ähnlich funktionieren wie der bei den Netzbetreibern schon übliche Redispatch: Dabei werden Kraftwerke in benachbarten Netzen gezielt hoch- und heruntergefahren, um Stromflüsse auszugleichen.

In dem Pilotprojekt soll sich allerdings gezeigt haben, dass der virtuelle Phasenschieber langfristig nicht ausreicht. Daher wollen 50Hertz und PSE nun auch physische Phasenschieber errichten. Zunächst soll im Dezember 2015 im polnischen Umspannwerk Mikułowa eine solche Anlage in Betrieb gehen, um die Stromflüsse auf der grenzüberschreitenden Leitung aus Hagenwerder zu kontrollieren. 50Hertz hat angekündigt, phasenschiebende Transformatoren im Umspannwerk Vierraden errichten, wodurch voraussichtlich ab Oktober 2017 die Lastflüsse auf dem Interkonnektor Vierraden – Krajnik kontrolliert werden können.


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