Nach dem erneuten sommerlichen Kauf- und Lieferstopp von Naftogas und Gasprom hat die Europäische Kommission wieder ein „Winterpaket“ vermittelt. Danach kann die Ukraine in den nächsten Monaten russisches Erdgas zu marktüblichen Preisen kaufen und gewährleistet den Transport von Transitmengen nach Mittel- und Westeuropa.

Erdgas-Transitleitung über den westukrainischen Fluss Strij. Foto: Naftogas


Der russische Energiekonzern Gasprom hat am Montag die Erdgaslieferungen an den ukrainischen Energiekonzern Naftogas wieder aufgenommen. Wie Gasprom weiter mitteilte, hatte Naftogas mit 234 Millionen US-Dollar (206 Mio. Euro) einen Teil der für Oktober vereinbarten Vorauszahlung von 500 Mio. US-Dollar überwiesen. Die Ukraine habe um die maximal mögliche Lieferung von täglich 114 Mio. Kubikmetern Erdgas gebeten.

Nach Berechnungen der russischen Zeitung Kommersant reicht die bisher überwiesene Summe aus, um 1 Milliarde Kubikmeter Erdgas zum aktuellen Preis von 230 US-Dollar je 1.000 m³ zu kaufen. Diese Menge könne bei der genannten Transportgeschwindigkeit innerhalb von neun Tagen geliefert werden.

Der ukrainische Energieminister Wladimir Demtschischin bestätigte, dass wieder russisches Erdgas geliefert wird. Er rechnet nun damit, dass die ukrainischen Erdgasreserven von derzeit 15,8 Mrd. m³ innerhalb eines Monats auf 17 bis 18 Mrd. m³ aufgefüllt werden können. Ausreichende ukrainische Erdgasreserven sind zum einen nötig, um die Energieversorgung des Landes im Winter zu sichern. Zum anderen werden sie gebraucht, um den Transport von russischem Erdgas durch die großen ukrainischen Transitleitungen nach Mittel- und Westeuropa zu gewährleisten.

Gasprom hatte seit Anfang Juli kein Erdgas mehr an Naftogas geliefert, weil sich beide Seiten nicht mehr über die Lieferbedingungen einigen konnten. Dabei waren die Verhandlungen durch die schwierige Finanzlage des ukrainischen Konzerns und die Konflikte im Osten der Ukraine erschwert worden. Einen ähnlichen Kauf- und Lieferstopp hatte es bereits im vergangenen Sommer 2014 gegeben. Danach hatte die Europäische Kommission im Oktober 2014 einen Kompromiss vermittelt, der russische Erdgaslieferungen in die Ukraine zunächst über den Winter ermöglichte und der dann im Frühjahr 2015 noch einmal verlängert wurde.

Marktüblicher Winterpreis

Auch diesmal hat die EU-Kommission wieder eine Vereinbarung für ein „Winterpaket“ zwischen Russland und Ukraine ausgehandelt. Danach sollte die Ukraine sich verpflichten, den Transit von russischem Erdgas über ihr Territorium in die Europäische Union zu gewährleisten und dazu im Oktober noch 2 Mrd. m³ Erdgas in ihre Untergrundspeicher einzuspeisen. Russland wiederum wurde aufgetragen, den Preis für Erdgaslieferungen an die Ukraine im 4. Quartal 2015 und im 1. Quartal 2016 auf ein marktübliches Niveau zu senken.

Naftogas hatte in den vergangenen Monaten versucht, verstärkt Erdgas aus seinen westlichen Nachbarländern Polen, Slowakei und Ungarn zu beziehen. Die von dort lieferbaren Mengen reichen allerdings nicht aus, um den ukrainischen Bedarf zu decken. Um die Erdgaskäufe finanzieren zu können, ist Naftogas ohnehin auf internationale Unterstützung angewiesen. Zu diesem Zweck bereiten die Weltbank und die Europäische Investitionsbank derzeit einen Kredit von 520 Mio. Euro vor. Die Europäische Entwicklungsbank will einen weiteren Kredit von 300 Mio. Euro gewähren, der allerdings nur für Erdgaskäufe an der westlichen Landesgrenze verwendet werden soll.


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