Der ostdeutsche Ferngasleitungs-Netzbetreiber erwirtschaftet traumhafte Umsatzrenditen von mehr als 30 Prozent, die von den ostdeutschen Gaskunden bezahlt werden. Dabei zielt die Anreizregulierung der Bundes-Netzagentur eigentlich darauf, dass Netzbetreiber keine Monopolgewinne erwirtschaften.

Station im Ferngasleitungs-Netz bei Großkugel. Archivfoto 2014: Stefan Schroeter


Der Ferngasleitungs-Netzbetreiber Ontras hat im Geschäftsjahr 2014 erneut einen hohen Gewinn erwirtschaftet. Dabei legte der Jahresüberschuss mit 122 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr leicht zu, während der Umsatz deutlich auf 308 Mio. Euro stieg. Diese Zahlen wurden jetzt durch eine Routine-Recherche im Bundesanzeiger bekannt. Das Unternehmen selbst informiert traditionell nicht selbst über seine Geschäftsergebnisse.

Ontras ist eine Leipziger Tochtergesellschaft des ebenfalls hier ansässigen Erdgas-Großhändlers VNG Verbundnetz Gas und betreibt mit 276 Mitarbeitern ein 7.200 Kilometer langes Ferngasleitungs-Netz. Als Netzbetreiber unterliegt das Unternehmen seit 2010 der sogenannten Anreizregulierung durch die Bundes-Netzagentur. Sie zielt eigentlich darauf, dass Netzbetreiber keine Monopolgewinne erwirtschaften und die Netze so kostensparend wie möglich betreiben.

Dennoch lässt die Anreizregulierung offenbar auch ungewöhnlich hohe Gewinne von Netzgesellschaften zu. Die Geschäftszahlen von Ontras für 2014 entsprechen einer Umsatzrendite nach Steuern von 40 Prozent, die auch von sehr erfolgreichen, nicht regulierten Energieunternehmen nur selten erreicht wird. In den vorangegangenen Jahren 2012 und 2013 hatte Ontras bereits ähnlich hohe Umsatzrenditen von 31 und 44 % erwirtschaftet. Aus dem Geschäftsbericht geht außerdem hervor, das die Geschäftsführung bis zum Ende der laufenden Regulierungsperiode im Jahr 2017 mit nicht wesentlich geringeren Gewinnen rechnet.

 

Entflechtung macht Gewinne sichtbar

In den drei Jahren von 2009 bis 2011 hatte der Netzbetreiber dagegen noch Verluste geschrieben. In dieser Zeit musste er hohe Pachtgebühren für das Leitungsnetz und Dienstleistungs-Honorare an die Muttergesellschaft VNG zahlen. Diese hohen Kosten entfielen ab 2012, als Ontras das Leitungsnetz und die 189 Mitarbeiter des VNG-Transportbereichs übernahm. Mit dieser weiteren Entflechtung des Transportgeschäfts entstand offenbar eine größere Klarheit bei Aufwand und Ertrag. Die hohen Gewinne des Transportgeschäfts, die bis dahin unauffällig in die Bilanz der Muttergesellschaft eingegangen waren, wurden nun in den Ontras-Geschäftsberichten deutlich sichtbar.

Die Ferngasleitungs-Netzentgelte, mit denen Ontras seine hohen Gewinne erwirtschaftet, werden letztendlich von den ostdeutschen Gaskunden bezahlt, zu denen das Erdgas durch  die Leitungen des Unternehmens transportiert wird. Würde der Netzbetreiber seine Entgelte soweit absenken, dass er noch auf eine angemessene Umsatzrendite käme, könnten sicherlich die Gaspreise für viele ostdeutsche Kunden sinken. Die vor einer Woche eingereichte Frage, wie die hohen Ontras-Gewinne gegenüber den ostdeutschen Gaskunden zu rechtfertigen sind, hat das Unternehmen zwar angenommen, aber bisher noch nicht beantwortet.

 

Gewinnpolster für die Muttergesellschaft

Nutznießerin der Ontras-Gewinne ist zunächst die Muttergesellschaft VNG, an die sie vollständig abgeführt werden. Dort gleichen sie in schwierigen Zeiten das weniger ertragreiche Geschäft der anderen Sparten aus und ermöglichen es, weiter Dividenden an die Aktionäre auszuschütten. Größter VNG-Aktionär ist derzeit noch der Oldenburger Energieversorger EWE mit 74,21 % der Aktien, der allerdings sein Anteilspaket an den Stuttgarter Energiekonzern EnBW verkaufen will. Die übrigen Anteile von 25,79 % halten neun ostdeutsche Städte.

Derzeit befindet sich VNG offenbar wieder in einer schwierigen Marktsituation, die vor allem das Großhandels- und Speichergeschäft betrifft. Mitte November hatten mehrere Regionalzeitungen übereinstimmend darüber berichtet, dass der VNG-Vorstand für das kommende Jahr 2016 den Abbau von 150 Arbeitsplätzen plant. Derzeit sind in den Unternehmen der VNG-Gruppe insgesamt 1.400 Mitarbeiter beschäftigt, davon 1.000 in Leipzig.




Nachtrag am 02.12.2015: Ontras hat die Fragen zu seinen hohen Gewinnen inzwischen beantwortet. Die Antworten sind hier dokumentiert:

Ontras: "Gesetzlich fixierter Ermittlungsweg der Verzinsungsbasis"


Vernetzen