Der unterschiedliche Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien führt dazu, dass Stromkunden in einigen Regionen besonders hohe Netzentgelte zahlen müssen. Ein bundesweiter Preiskorridor wäre ein einfacher Mechanismus, um solche Spitzenbelastungen zu vermeiden.

Der Ausbau von Ökostrom-Kraftwerken führt zu steigenden Netzentgelten. Das Bild zeigt Windräder und Strommasten bei Weißenfels. Foto: Stefan Schroeter


Der Dresdner Energiewissenschaftler Dominik Möst hat sich dafür ausgesprochen, einen bundesweiten Preiskorridor für Strom-Netzentgelte einzuführen. Das sei ein einfacher Mechanismus, um die Strom-Netzentgelte zwischen den deutschen Regionen nicht zu weit auseinanderlaufen zu lassen, sagte Möst am Dienstag Abend in der Ringvorlesung „Kraftakt Energiewende“ des Akademischen Energievereins Leipzig. Denkbar wäre ein Preiskorridor von +/-20% oder +/-30% um das durchschnittliche Netzentgelt für Endkunden, meinte der Wissenschaftler der TU Dresden.

Netzentgelte gehen in den Strompreis ein, den Kunden innerhalb eines Netzgebiets bezahlen. Wird in einem Netzgebiet die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien stark ausgebaut, fallen hohe Kosten für den Netzanschluss der Ökokraftwerke an, die mit höheren Netzentgelten finanziert werden. Wird in diesem Netzgebiet auch noch wenig Strom verbraucht, steigen die Netzentgelte je Kilowattstunde stark an und führen für die betroffenen Kunden zu hohen Belastungen.

Ein Preiskorridor-Modell hatte Möst gemeinsam mit drei weiteren Autoren bereits in einem Kurzgutachten für den Übertragungsnetz-Betreiber 50Hertz vorgestellt. Dabei würden Kunden in den Regionen, in denen das ursprüngliche Entgelt unterhalb des Preiskorridors liegt, einen Aufschlag bezahlen. In Regionen, in denen das ursprüngliche Entgelt über dem Preiskorridor liegt, könnten die Kunden durch einen Abschlag entlastet werden. Die Auf- und Abschläge ließen sich miteinander verrechnen und außerdem durch einen Sockelbetrag ausgleichen.

 

Kleine Mehrbelastung – große Entlastung

Wäre ein solcher Korridor von 30% im Jahr 2014 eingeführt worden, hätte er noch zu relativ geringen Effekten geführt. In dem System wären lediglich 33 Millionen Euro umverteilt worden. Dennoch hätten die Spitzenentgelte in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein gekappt werden können. Eine deutlich größere Wirkung würde der 30%-Korridor allerdings im Jahr 2024 entfalten, wenn die Netzkosten durch den Ausbau erneuerbarer Energien weiter angestiegen sind. Die dann zu erwartenden Spitzenentgelte in Nord- und Ostdeutschland könnten deutlich gekappt werden, vor allem für mittelgroße Industriekunden. Das zu wälzende Finanzvolumen stiege auf 374 Mio. Euro.

Bei einem Korridor von 20% würden im Jahr 2014 auch die Spitzenentgelte in Brandenburg gekappt, während es im Jahr 2024 bereits starke Entlastungen in Ost- und teilweise Norddeutschland gäbe. Sie könnten bis zu 2,4 Cent je Kilowattstunde für Haushaltskunden und 1,6 Ct/kWh für Industriekunden erreichen. Um diese Entlastungen zu finanzieren, müssten die Stromkunden in den übrigen Bundesländern nur eine vergleichsweise kleine Mehrbelastung von maximal 0,2 Ct/kWh tragen. Das Finanzvolumen stiege dann auf 530 Mio. Euro.

Die Aussichten, einen solchen Preiskorridor einzuführen, beurteilte Möst allerdings eher skeptisch. In der Politik seien im Moment dafür keine Mehrheiten zu erreichen, sagte er. Für aussichtsreicher hält er eine Angleichung der Netzentgelte auf der Übertragungsebene. Bei dieser Maßnahme sind die entstehenden Entlastungen und Mehrbelastungen relativ gering, sie ist aber nach Einschätzung des Energiewissenschaftlers relativ leicht umsetzbar. So wurde sie bereits im Weißbuch des Bundes-Wirtschaftsministeriums für eine Reform des Strommarktes diskutiert.


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