Auf dem Gelände eines ehemaligen Militärflughafens wurden die bestehenden Anlagen für Solarstrom und Biomethan nun um einen Windpark ergänzt. Pläne gibt es bereits für einen großen Batteriespeicher und eine Versuchsanlage zur stofflichen Nutzung von Kohlendioxid.

Am Freitag drehten sich im Windpark Zerbst bereits mehrere Rotoren. Bewegtbild: Stefan Schroeter


Das Grünenergie-Unternehmen GGE Getec Green Energy hat am Freitag im Energiepark Zerbst, Sachsen-Anhalt, einen Windpark mit 30 Megawatt Strom-Spitzenleistung offiziell in Betrieb genommen. Er besteht aus zehn Windkraft-Anlagen des Typs Siemens SWT-30-113, deren Rotoren bis 199 Meter in die Höhe reichen. Sie sollen nun jährlich 81 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen, der in eine Leitung des regionalen Netzbetreibers Avacon eingespeist wird.

Die Direktvermarktung des Windstroms erfolgt über die GGE-Schwestergesellschaft Gewi. Dabei erhält der Vermarkter den aktuellen Marktpreis über die Strombörse und vom Netzbetreiber den dann noch verbleibenden Differenzbetrag zu der Vergütung von 8,9 Cent pro kWh, die im EEG Erneuerbare Energien Gesetz festgelegt ist.

In den Windpark Zerbst wurden 52 Mio. Euro investiert, berichtete Karl Gerhold, Geschäftsführer der GGE-Muttergesellschaft Getec Energie Holding. Weitere 3 Mio. Euro habe die 17 Kilometer lange Anschlussleitung zum Avacon-Netz gekostet. Als Eigentümer- und Betreibergesellschaft tritt die Windpark Zerbst GmbH auf, an der GGE zur Hälfte beteiligt ist. Wie GGE-Geschäftsführer Chris Döhring berichtete, werden die übrigen Anteile von Firmen aus der Region gehalten.

Der Windpark ist bereits das dritte Energieprojekt, das GGE auf dem früheren Militärflughafen Zerbst umgesetzt hat. Im Jahr 2011 war hier bereits ein Fotovoltaik-Kraftwerk mit 46 MWp in Betrieb gegangen. 2014 folgte eine Biomethan-Anlage, die jährlich 52 Mio. kWh produziert.

 

Folgeprojekte

GGE und Siemens wollen die beim Windpark praktizierte Partnerschaft mit weiteren Projekten am gleichen Standort fortsetzen. Am Freitag wurde eine Absichtserklärung unterzeichnet, die unter anderem den Bau eines Batteriespeichers und einer Versuchsanlage für die stoffliche Nutzung von Kohlendioxid vorsieht. Den Batteriespeicher mit einer Leistung von bis zu 30 MW wollen die Partner bereits im kommenden Jahr 2016 bauen. Er soll den am Standort unregelmäßig produzierten Solar- und Windstrom zwischenspeichern und bedarfsgerecht ins Netz abgeben.

Die CO2-Versuchsanlage könnte ein Jahr später entstehen. Sie soll ebenso mit dem hier produzierten Strom betrieben werden und das CO2 verwerten, das in der Biomethan-Anlage anfällt, wenn das Rohgas gereinigt wird. Als „Power to Value“ (Deutsch: Strom zu Wert) wurde diese Methode von Siemens-Bereichsleiter Frank Büchner bezeichnet. Er deutete an, dass so möglicherweise Vorprodukte für die chemische Industrie hergestellt werden könnten.

Die Anwohner haben gegenüber dem Energiepark inzwischen eine „Phase des Fremdelns“ überwunden, berichtete der Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann. Der Stadtrat habe sich darauf verständigt, den neuen Windpark gemeinsam mit den in wenigen Kilometer Entfernung schon bestehenden Windparks als Akkumulations-Standort im Nordosten der Stadt zu entwickeln. „Damit haben wir gegenüber den regionalen Planungsbehörden gute Argumente dafür, dass der Südteil der Stadt von solchen Anlagen frei gehalten werden kann“, sagte Dittmann. Dort solle der Blick über die reizvolle Elblandschaft ungestört erhalten bleiben.


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