In Świnoujście ist erstmals ein Tankschiff mit Flüssigerdgas eingetroffen. Der kalte Energieträger aus Katar soll zunächst die Anlagen des Entladeterminals herunterkühlen und seinen kommerziellen Betrieb vorbereiten.

Das Tankschiff Al-Nuaman am LNG-Entladeterminal Świnoujście. Foto: Polskie LNG


Das neue polnische Entladeterminal für Flüssigerdgas (Englisch: Liquefied Natural Gas – LNG) in Świnoujście nähert sich seiner Fertigstellung. Am vergangenen Freitag traf hier mit dem Tankschiff Al-Nuaman die erste Ladung von 210.000 Kubikmetern LNG ein. Lieferant ist die katarische Gesellschaft Qatargas, mit der auch schon eine zweite Lieferung für Februar 2016 vereinbart wurde. Das LNG soll genutzt werden, um die Anlagen des Terminals abzukühlen und um den kommerziellen Betrieb vorzubereiten. Den Beginn dieses kommerziellen Betriebs kündigte die Betreibergesellschaft Polskie LNG für das zweite Quartal 2016 an.

Polskie LNG ist eine Tochtergesellschaft des staatlichen Ferngasleitungs-Netzbetreibers Gas-System. Das von ihr gebaute LNG-Entladeterminal Świnoujście soll jährlich eine LNG-Menge empfangen, regasifizieren und in das Leitungsnetz einspeisen können, die fünf Milliarden Kubikmetern Erdgas im gasförmigen Zustand entspricht. Damit könnte etwa ein Drittel des bisherigen polnischen Erdgasbedarfs gedeckt werden.   

Als Importeur des in Świnoujście angelieferten LNG tritt der ebenfalls staatliche Öl- und Gaskonzern PGNiG Polskie Gornictwo Naftowe i Gazownictwo auf. Er hat bisher einen Liefervertrag mit Qatargas geschlossen, der über 20 Jahre läuft und jährliche LNG-Lieferungen vorsieht, die einer Menge von 1 Mrd. m³ Erdgas entsprechen. Ursprünglich sollten die Lieferungen schon im Jahr 2014 beginnen, sie mussten dann aber aufgrund von Bauverzögerungen am Empfangsterminal verschoben werden. Der Bau des LNG-Terminals hatte im Jahr 2011 begonnen.

 

Pionier im Ostseeraum

Das Terminal selbst verfügt über einen drei Kilometer langen Wellenbrecher und einen Entladesteg mit einem Liegeplatz, an dem Tanker mit bis zu 217.000 m³ LNG entladen werden können. Hinzu kommen zwei LNG-Tiefkühltanks mit jeweils 160.000 m³ Lagerkapazität sowie Regasifizierungsanlagen. Eine 85 km lange Anschlussleitung verbindet die Anlagen mit dem nationalen Ferngasnetz. Das LNG-Terminal Świnoujście ist die erste feste Installation dieser Art im Ostseeraum. Eine schwimmende LNG-Entladestation war bereits zum Jahresanfang 2015 in der litauischen Hafenstadt Klaipeda in Betrieb gegangen.

Erdgas wird in Form von LNG mit Tankschiffen transportiert, wenn es zwischen der Erdgas-Förderregion und der Verbrauchsregion keine Ferngasleitungen, aber einen Seeweg gibt. In den Verladeterminals wird das Erdgas gereinigt und unter Druck auf minus 160 Grad Celsius abgekühlt. Dabei geht es in den flüssigen Aggregatzustand über und wird auf ein 600 Mal kleineres Volumen reduziert. So kann es auf spezielle Tankschiffe verladen und über die Weltmeere zu den Entladeterminals transportiert werden.


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