Korrigiert. Der dritte Abschnitt der Höchstspannungs-Leitung von Ostdeutschland nach Bayern hat teilweise den Testbetrieb aufgenommen. Damit können die Übertragungsnetz-Betreiber 50Hertz und Tennet im Winter zeitweise eine zusätzliche Übertragungsleistung von 2.400 Megawatt nutzen.

Bauarbeiten am dritten Abschnitt der Südwest-Kuppelleitung bei Schalkau. Foto: 50Hertz / Jan Pauls


Über die Südwest-Kuppelleitung von Sachsen-Anhalt nach Bayern ist Mitte Dezember erstmals durchgängig Strom geflossen. Der ostdeutsche Übertragungsnetz-Betreiber 50Hertz hatte zuvor den dritten Abschnitt der 380-Kilovolt-Leitung mit einem von zwei vorgesehenen Stromkreisen teilweise fertiggestellt und in den Testbetrieb überführt. Der dritte Abschnitt erstreckt sich vom Umspannwerk Altenfeld im Thüringer Wald über 26 Kilometer bis zur bayerischen Landesgrenze. Auf bayerischer Seite hatte der dortige Übertragungsnetz-Betreiber Tennet den vierten, 30 km langen Leitungsabschnitt zum oberfränkischen Umspannwerk Redwitz fertiggebaut.

Wie 50Hertz weiter mitteilte, wurde die ursprünglich für 2016 vorgesehene Inbetriebnahme der Höchstspannungs-Leitung teilweise vorgezogen, um den Stromtransport zwischen Nord- und Süddeutschland noch vor der kritischen Winterzeit zu verbessern und zur Netzstabilität im Norden Bayerns nach der Abschaltung des Kernkraftwerkes Grafenrheinfeld beizutragen. Als weiteren Grund für die vorgezogene Aufnahme des Testbetriebes nannte das Unternehmen, dass die sprunghaft angestiegenen Kosten für Eingriffe in Netz und Markt aufgrund des fehlenden Netzausbaus von Nord- nach Süddeutschland begrenzt werden sollen. Die Kosten für diese Eingriffe, die auch unter der Bezeichnung „Redispatch“ bekannt sind, beziffert 50Hertz in diesem Jahr allein für das eigene Netzgebiet auf über 300 Millionen Euro, bundesweit werde mit über 800 Mio. Euro gerechnet. Geschultert würden diese Kosten am Ende von den Stromkunden.

Mit dem ersten Stromkreis des dritten SWKL-Abschnitts wurde nach aktuellen Angaben von 50Hertz zunächst eine Übertragungsleistung von bis zu 2.400 Megawatt verfügbar. Dabei ist während des Testbetriebs mit Unterbrechungen zu rechnen, bis der erste Stromkreis Mitte 2016 in den Dauerbetrieb geht. Zum Jahresende 2016 soll dann auch der zweite Stromkreis des dritten Abschnitts den Testbetrieb aufnehmen. Dann könnte hier eine Übertragungsleistung von 4.800 MW genutzt werden.

 

Zweiter Abschnitt im Dauerbetrieb

Den zweiten, 57 Kilometer langen SWKL-Abschnitt zwischen Vieselbach und Altenfeld hatte 50Hertz bereits seit Juli im Testmodus betrieben. Dieser Abschnitt, der mit ebenfalls zwei Stromkreisen auf insgesamt 4.800 MW ausgelegt ist, ging Mitte Dezember in den Dauerbetrieb. Gegen den Bau dieses Abschnitts hatten drei Grundstückseigentümer gemeinsam mit der Stadt Großbreitenbach eine Beschwerde beim Bundes-Verfassungsgericht eingereicht, die im Juli nicht zur Entscheidung angenommen wurde. Derzeit prüfen die Leitungsgegner noch, ob sie gegen diesen Beschluss wiederum eine Beschwerde in der nächsten Instanz einlegen, dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strasbourg.

Der erste, 78 km lange SWKL-Abschnitt zwischen Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt und Vieselbach in Thüringen ist bereits seit Dezember 2008 in Betrieb. Für die gesamte, 161 Kilometer lange Leitung, die auch als „Thüringer Strombrücke“ bekannt ist, plant 50Hertz mit Investitionen von 300 Mio. Euro. Sie soll die bereits bestehende Höchstspannungs-Leitung zwischen dem Thüringer Remptendorf und dem oberfränkischen Redwitz entlasten, auf der es bei einer Übertragungsleistung von 2.100 MW große Engpässe beim Stromtransport gibt.


Korrektur am 04.01.2016: In der ersten Version dieses Textes war die Übertragungsleistung je Stromkreis mit 2.500 MW beziffert worden. Diesen Wert hatte 50Hertz zunächst auf Anfrage genannt. Er widersprach allerdings früheren Dokumenten, in denen eine Übertragungsleistung von 2.400 MW je Stromkreis verzeichnet ist. Dieser Wert wurde nach Rückfrage nun auch von 50Hertz bestätigt.


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