Energetický a průmyslový holding will vom italienischen Energiekonzern Enel einen Mehrheitsanteil am slowakischen Energieversorger Slovenské Elektrárne übernehmen. Der versucht derzeit, zwei umstrittene Blöcke des Atomkraftwerks Mochovce fertigzubauen.

Mochovce gross

Im Atomkraftwerk Mochovce sind bisher zwei Reaktorblöcke in Betrieb, an zwei weiteren wird noch gebaut. Archivfoto 2011: Peko / Wikimedia / CC BY-SA 3.0


Die tschechische Muttergesellschaft des ostdeutschen Braunkohleförderers Mibrag, EPH Energetický a průmyslový holding, baut ihren Einfluss in der slowakischen Energiewirtschaft weiter aus. Im Dezember vereinbarte EPH mit dem italienischen Energiekonzern Enel, dessen Anteil von 66 Prozent am slowakischen Energieversorger SLE Slovenské Elektrárne zu übernehmen. Diese Übernahme soll in zwei Stufen ablaufen, wobei die zweite Stufe mit der Fertigstellung zweier umstrittener Neubaublöcke im Atomkraftwerk Mochovce verbunden ist. Außerdem soll es dem slowakischen Staat ermöglicht werden, seinen SLE-Anteil deutlich aufzustocken.

Für die erste Übernahme-Stufe ist vorgesehen, dass Enel die Hälfte seiner SLE-Anteile für 375 Millionen Euro an die slowakische EPH-Tochter EP Slovakia verkauft. Von der Kaufsumme werden zunächst 150 Mio. Euro ausgezahlt, die verbleibenden 225 Mio. Euro sollen nach Abschluss der zweiten Stufe folgen. Die zweite Stufe beginnt ein Jahr nachdem die Genehmigung für den Testbetrieb der beiden AKW-Neubaublöcke 3 und 4 in Mochovce erteilt sein wird. Dann können sowohl Enel als auch EP Slovakia die Option ziehen, dass die zweite Hälfte der SLE-Anteile für weitere 375 Mio. Euro an EP Slovakia übertragen wird.

Vollständig abgeschlossen werden soll die Übernahme erst, wenn die endgültige Betriebserlaubnis für die beiden AKW-Neubaublöcke erteilt sein wird. Auch die Kaufsumme von insgesamt 750 Mio. Euro soll noch einmal von unabhängigen Experten überprüft und möglicherweise an den dann ermittelten Unternehmenswert angepasst werden. Außerdem muss der Gesellschafterwechsel von den Wettbewerbsbehörden der Europäischen Union genehmigt werden.

 

Prinzipien für Atomstrom

Möglicherweise kann auch der slowakische Staat im Verlauf des Übernahme-Prozesses seinen Anteil von derzeit noch 34% wieder kräftig aufstocken. Das slowakische Wirtschaftsministerium hat mit Enel vereinbart, darüber zu verhandeln, sobald die AKW-Neubaublöcke fertiggestellt und genehmigt sind. Zuvor sollen auch „Prinzipien“ erörtert werden, die eben diese Fertigstellung und Genehmigung der umstrittenen nuklearen Stromerzeuger ermöglichen. In diese Verhandlungen sollen auch EPH-Vertreter einbezogen werden.

Enel zufolge verfügte SLE am Jahresende 2014 über Kraftwerke mit 4.521 Megawatt Leistung, davon 1.940 MW in AKW. Die derzeit im Bau befindlichen AKW-Blöcke in Mochovce sollen insgesamt 942 MW leisten können. Im Geschäftsjahr 2014 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 2,47 Milliarden Euro und einen Gewinn nach Steuern von 170 Mio. Euro.

Das AKW Mochovce arbeitet mit Druckwasser-Reaktoren des sowjetisch-russischen WWER-Typs, die mit westlichen Steuerungs- und Überwachungssystemen ergänzt wurden. Die Bauarbeiten hatten schon im Jahr 1981 begonnen, kamen aber 1992 zunächst wegen Geldmangels zum Erliegen. An den beiden ersten Blöcken wurde ab 1996 weitergebaut, 1998 und 1999 gingen sie ans Netz. Bei den Blöcken 3 und 4 dauerte es bis 2008, dass die Arbeiten wieder aufgenommen wurden. Durch Gerichtsentscheidungen kam es zu Verzögerungen, so dass die ursprünglichen Fertigstellungstermine 2012 und 2013 nicht haltbar waren. Zuletzt wurden 2016 und 2017 für die Inbetriebnahme genannt.

EPH ist bisher in der Slowakei vor allem im Erdgasgeschäft aktiv und hat hier auch schon Erfahrungen mit staatlicher Beteiligung gesammelt. Über eine gemeinsame Gesellschaft mit dem slowakischen Staat hält das tschechische Unternehmen Anteile am Ferngas-Netzbetreiber Eustream, am Gasverteilnetz-Betreiber SPP Distribucia sowie an den Gasspeicher-Unternehmen Nafta und Pozagaz.


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