Das Bergbauunternehmen transportiert zunehmend Braunkohle über längere Strecken nach Tschechien und Niedersachsen. Fragen zum damit verbundenen wirtschaftlichen Aufwand und Kohlendioxid-Ausstoß beantwortet es nicht.

Noch gibt es am Tagebau Profen auch Zeiten, in denen keine Braunkohle auf Güterzüge verladen wird. Doch wenn hier Züge abfahren, dann legen sie zunehmend längere Strecken zurück. Foto: Stefan Schroeter


Das Bergbauunternehmen Mibrag hat seinen Braunkohle-Absatz im vergangenen  Geschäftsjahr 2013 um 4 % auf 17,4 Mio Tonnen gesteigert. Die Braunkohle-Förderung legte um 2 % auf 19,1 Mio. t zu. Das geht aus dem Geschäftsbericht der tschechischen Mibrag-Muttergesellschaft EP Energy hervor. Das Bergbauunternehmen selbst kündigte auf Anfrage an, seinen Jahresabschluss Ende August oder Anfang September zu veröffentlichen. In den vergangenen Jahren hatte es seinen Geschäftsbericht jeweils im Juni vorgelegt. Zu den früher üblichen Bilanz-Pressekonferenzen, bei denen die Geschäftsführung gegenüber Journalisten die Ergebnisse des vergangenen Jahres erläuterte, hat Mibrag schon seit längerer Zeit nicht mehr eingeladen. Das Bergbauunternehmen betreibt die Tagebaue Vereinigtes Schleenhain in Sachsen und Profen in Sachsen-Anhalt.

Zu den fragwürdigen Entwicklungen bei dem Unternehmen zählt, dass es seine Braunkohle zunehmend über größere Entfernungen transportiert. Mibrags wichtigste Kunden sind traditionell die nahen Braunkohle-Großkraftwerke Lippendorf und Schkopau sowie ein Kraftwerk im 80 Kilometer entfernten Chemnitz. Schon im Jahr 2012 hatte Mibrag damit begonnen, das zu EPE gehörende, 300 Kilometer entfernte tschechische Kraftwerk Opatovice zeitweise zu beliefern. Das diente damals noch dazu, zeitweilige Lieferausfälle des tschechischen Partners Czech Coal zu überbrücken, mit dem EPE im Streit lag.

Aus dem EPE-Geschäftsbericht geht nun hervor, dass Mibrags Muttergesellschaft inzwischen die Verträge mit Czech Coal aufgelöst hat und das Kraftwerk Opatovice ganz regulär mit Mibrag-Kohle beliefern lässt. Auch das 160 Kilometer entfernte Kraftwerk Most-Komořany der EPE-Tochter United Energy wird offenbar schon mit Braunkohle aus dem Tagebau Profen befeuert. Zu den Mengen, die Mibrag in diese beiden Kraftwerke liefert, machte das Bergbauunternehmen auf Anfrage keine Angaben. Auch zum wirtschaftlichen Aufwand und dem Kohlendioxid-Ausstoß, der mit diesen Langstrecken-Transporten verbunden ist, wollte es sich nicht äußern.

Ein neuer Langstrecken-Kunde für Profener Braunkohle ist seit dem vergangenen Jahr auch das Kraftwerk Buschhaus in Niedersachsen, das zu dem von EPE erworbenen Helmstedter Revier gehört. Derzeit beliefert Mibrag dieses 200 km entfernte Kraftwerk mit jährlich 200.000 t Braunkohle, damit es trotz der rückläufigen Förderung im nahen Tagebau Schöningen weiter betrieben werden kann. EPE rechnet damit, dass Mibrags Lieferungen nach Buschhaus in den nächsten Jahren weiter steigen. Wenn Schöningen im Jahr 2017 ausgekohlt sein wird, sollen sie den gesamten Braunkohlebedarf von 2,4 Mio. t für Buschhaus decken.

Braunkohle per Bahn über mehrere hundert Kilometer wie nach Buschhaus und Opatovice zu transportieren, galt früher als unwirtschaftlich. Denn bei Braunkohle ist die transportierte Masse im Vergleich zum Energieinhalt relativ groß. Der große Energieaufwand für weite Transporte verschlechtert auch die ohnehin ungünstige Umweltbilanz des fossilen Energieträgers weiter.


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