In den vergangenen Jahren ist der Ausbau der energetischen Biomasse-Nutzung von der Politik stark abgebremst worden. Dem Deutschen Biomasse-Forschungszentrum in Leipzig gehen die Forschungsthemen dennoch nicht aus, auch wenn die Finanzierung schwieriger werden könnte.

Das Biomasse-Forschungszentrum wird noch weiter ausgebaut. Archivfoto 2013: Stefan Schroeter


Das DBFZ Deutsche Biomasse-Forschungszentrum rechnet nicht damit, dass die energetische Nutzung von Biomasse in Deutschland weiter ausgebaut wird. Biomasse trage bereits mit 60 Prozent zur Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien bei, sagte Geschäftsführer Michael Nelles heute bei der DBFZ-Jahrestagung in Leipzig. Mit dem EEG Erneuerbare Energien Gesetz von 2012 sei der damalige Boom der Branche in die richtigen Bahnen gelenkt worden. Damals war insbesondere die Einspeisevergütung von Strom aus Biogasanlagen stark eingeschränkt worden. Die seit August gültige EEG-Novelle 2014 hatte diese Entwicklung weitergeführt.

Nelles geht davon aus, dass Biomasse künftig stärker stofflich genutzt wird, bevor eine energetische Verwertung der dabei entstehenden Reststoffe erfolgt. Entsprechende Forschungsthemen würden auch vom DBFZ bearbeitet. Als einen weiteren Forschungsschwerpunkt nannte Daniela Thrän, Bereichsleiterin Bioenergiesysteme, die flexible Stromproduktion aus Biomasse. Damit soll es möglich werden, den bisher gleichmäßig erzeugten Strom nun auch bedarfsgerecht zu erzeugen und zu vermarkten.

Nachdem das EEG 2012 die ersten Anreize dafür gegeben habe, hätten sich in der Branche inzwischen die notwendigen Strukturen gebildet, berichtete Thrän. So gebe es inzwischen Unternehmen, die flexibel erzeugten Strom aus Biogasanlagen gemeinsam mit Windstrom vermarkten. Allerdings seien hier auch noch administrative und rechtliche Hindernisse zu überwinden. „Die Flexibilisierung ist auf einem guten Weg“, sagte die Wissenschaftlerin. „Sie braucht aber auch noch Zeit, damit sie sinnvoll funktioniert.“

Dass der Ausbau der energetischen Biomassenutzung von der Politik abgebremst wurde, begründete Dorothee Mühl, Ministerialdirigentin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, mit der Notwendigkeit, die Kosten der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien weiter zu senken. „Bei der Biomasse besteht die allgemeine Ansicht, dass da die Lernkurve nicht so groß sein kann, weil ein erheblicher Teil der Kosten auf den Rohstoffkosten beruht.“ Außerdem habe die Biomasse Akzeptanzprobleme und einen großen Flächenverbrauch.

Die gesunkene Akzeptanz der Biomasse resultiert unter anderem aus dem großflächigen Maisanbau für Biogasanlagen, der sich vor allem in Niedersachsen ausgebreitet hatte. Diese „Vermaisung“ wiederum führte Bernt Farcke, Unterabteilungsleiter im BMEL Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, auf einen Fehler im EEG 2009 zurück. Darin sei durch den Einfluss von Lobbygruppen eine Regelung aufgenommen worden, die es ermöglichte, den Bonus für den Einsatz von Gülle mit dem Bonus für den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen zu kombinieren. „Damit konnte viel Geld verdient werden“, sagte Farcke. Nachdem die „Vermaisung“ als Problem erkannt worden war, habe es aufgrund der langwierigen politischen Abstimmungsprozesse zwischen Regierung, Parlament und Bundesrat bis 2012 gedauert, bis dieser Fehler korrigiert werden konnte.

Der abgebremste Bioenergie-Ausbau wirkt sich auch auf die Forschungsförderung aus, über die sich DBFZ teilweise finanziert. „Die nationalen Fördertöpfe werden geringer werden“, sagte Nelles. „Wir konzentrieren uns jetzt mehr auf das europäische Förderprogramm Horizon 2020.“ Auch Projekte mit der Industrie tragen zu Finanzierung des Leipziger Forschungszentrums bei.

DBFZ erwirtschaftet seine Mittel zur Hälfte selbst: 6,9 Millionen Euro flossen aus Projekten, Auftragsforschung und Dienstleistungen. 6,5 Millionen Euro kamen im vergangenen Jahr 2013 vom BMEL. Mittlerweile sind 220 Mitarbeiter beim DBFZ beschäftigt, die insgesamt 160 Vollzeit-Stellen besetzen. Derzeit wird der Bau eines großen Technikums mit Büro- und Verwaltungsgebäude für 28 Mio. Euro vorbereitet. Nach einigen Verzögerungen soll nun im nächsten Jahr der erste Spatenstich erfolgen. Für 2017 rechnet Nelles damit, in den Gebäudekomplex einziehen zu können.


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