Der Automobilhersteller und der Gasproduzent wollen bis Ende 2015 bundesweit 20 öffentliche Wasserstoff-Tankstellen einrichten. Sie sollen unter anderem die Brennstoffzellen-Fahrzeuge betanken, die Daimler ab 2017 auf den Markt bringen will.

Multi-Energie-Tankstelle von Total in der Jafféstraße in Berlin-Charlottenburg. Mit dem von Linde gelieferten Wasserstoff kann hier die „B-Klasse F-Cell“ betankt werden. Foto: Daimler


Der Automobilhersteller Daimler und das Gase- und Ingenieursunternehmen Linde wollen das bisher dünne Netz von öffentlichen Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland deutlich ausbauen. Die beiden Unternehmen kündigten heute an, jeweils 10 Millionen Euro in jeweils zehn Tankstellen zu investieren. Als Partner für dieses Vorhaben wurden die Mineralölunternehmen Total, OMV, Avia und Hoyer genannt. Mit dem Wasserstoff sollen Brennstoffzellen-Fahrzeuge betankt werden können, deren Serienproduktion derzeit von dem Automobilhersteller vorbereitet wird.

Daimler und Linde waren Ende September an der Eröffnung einer Multi-Energie-Tankstelle von Total in der Jafféstraße in Berlin-Charlottenburg beteiligt. Bis Ende 2015 sind nun bundesweit weitere 12 Stationen geplant. Zu den Standorten zählen die Total-Tankstellen in Neuruppin an der Autobahn 24, in Berlin-Mitte (Holzmarktstraße) und eine Hoyer-Tankstelle in Leipzig nahe der A 14. Über die übrigen sieben Stationen wird noch mit den jeweiligen Partnern verhandelt.

Bisher gibt es bundesweit nur wenige öffentliche Wasserstoff-Tankstellen. Nach Angaben der NOW Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technologie sollen bis Ende 2015 in den deutschen Metropolregionen und entlang der Autobahnen insgesamt 50 Wasserstoff-Tankstellen bereitgestellt werden. Die beteiligten Unternehmen und der Bund investieren dafür 40 Mio. Euro. Es gibt auch schon einen Aktionsplan, nach dem das Wasserstoff-Tankstellennetz bis 2013 weiter auf 400 Stationen ausgebaut werden soll.

Daimler plant, ab 2017 wettbewerbsfähige Brennstoffzellen-Fahrzeuge mit großen Stückzahlen auf den Markt zu bringen. Bei der Entwicklung eines Antriebskonzeptes arbeitet das Unternehmen seit Anfang 2013 mit dem US-amerikanischen Automobilhersteller Ford und dem japanischen Hersteller Nissan zusammen. Zu Testzwecken betreibt Daimler bereits eine Flotte von 300 Brennstoffzellen-Fahrzeugen, die inzwischen insgesamt mehr als neun Mio. Kilometer zurückgelegt haben. Dazu zählen Pkw des Typs „B-Klasse F-Cell“ und Stadtbusse des Typs „Citaro Fuel Cell-Hybrid“. Beide verfügen über Niedertemperatur-Brennstoffzellen, die Strom aus Wasserstoff erzeugen. Der Strom wird jeweils in einem Elektromotor zum Antrieb genutzt.

Ein wesentlicher Vorteil des Wasserstoff-Antriebs ist, dass er am Einsatzort keine Schadstoffe ausstößt. Die Umweltbilanz kann weiter verbessert werden, wenn der Wasserstoff aus erneuerbaren Energien hergestellt wird. Linde beliefert nach eigenen Angaben bereits heute bestehende Tankstellen zur Hälfte mit Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen. Bei den nun angekündigten 20 neuen Stationen soll dies ausschließlich der Fall sein.

Zu diesem Zweck betreibt Linde an seinem Gasezentrum in Leuna eine Pilotanlage, die auf Basis von Rohglycerin arbeitet, einem Nebenprodukt der Biodieselherstellung. Im Vergleich zu konventionellen Methoden soll der so gewonnene, zertifizierte grüne Wasserstoff die schädlichen Treibhausgase deutlich reduzieren. Darüber hinaus verfüge Linde über weitere nachhaltige Quellen wie Bioerdgas und Wasser-Elektrolyse mittels Strom aus Windenergie, hieß es.


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