Auf dem Gelände der Deponie Lochau erproben die Stadtwerke Halle eine neuartige Technik, die einen hochwertigen Brennstoff aus biogenen Reststoffen produzieren soll. Nachdem technische Schwierigkeiten das Projekt verzögerten, wird nun ein mehrtägiger Probebetrieb vorbereitet.

Die Demoanlage soll Grünschnitt in Biokohle umwandeln. Foto: Stefan Schroeter


Die SWH Stadtwerke Halle arbeiten weiter daran, ihre Biokohle-Demonstrationsanlage in den regulären Produktionsbetrieb zu überführen. Noch im November sei ein fünftägiger Probebetrieb geplant, kündigte die zuständige Tochtergesellschaft HWS Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft  gestern an. Die bisherigen Verzögerungen seien auf Schwierigkeiten mit defekten Wärmetauschern und auf Druckspitzen im System zurückzuführen, sagte HWS-Abteilungsleiter Falko Kietzmann beim Fachforum für biobasierte hydrothermale Prozesse in Leipzig. Der bisherige Verlauf sei zwar nicht zufriedenstellend, aber auch nicht untypisch für eine Pilotanlage dieser Größenordnung.

SWH hatte im August 2012 die Firma Artec Biotechnologie aus dem bayerischen Bad Königshofen damit beauftragt, auf dem Gelände der Deponie Lochau eine Demoanlage für die Hydrothermale Carbonisierung (HTC) zu errichten. Sie ging im Juli 2013 offiziell in Betrieb. In der Anlage wird zerkleinerter Grünschnitt mit Wasser vermischt und in einem kontinuierlichen Prozess bei erhöhten Temperaturen und Drücken zu Biokohle verarbeitet. Dieser Prozess ahmt die erdgeschichtliche Entstehung von Kohle, die mehrere Millionen Jahre dauerte, in wenigen Stunden nach.

Mit der Demoanlage will HWS biogene Reststoffe verwerten, für die es bisher keine geeigneten Aufbereitungsverfahren gibt. Dazu gehören vor allem Grünschnitt und Bioabfälle aus der braunen Tonne, die sich nicht für die etablierten bio- und thermochemischen Verfahren zur Energiegewinnung eignen. Aus ihnen soll ein hochwertiger Brennstoff produziert werden, der über vergleichbare Eigenschaften wie herkömmliche Braunkohle verfügt. Die Anlage in Lochau sei darauf ausgelegt, jährlich 2.500 Tonnen biogene Reststoffe zu 1.000 t Biokohle zu verarbeiten, berichtete Kietzmann.

Bei den bisherigen Betriebsversuchen fiel die Biokohle noch in einer rohen Form an. Wenn die Anlage künftig in einem stabilen Dauerbetrieb läuft, will HWS die Biokohle aber auch zu Pellets oder Briketts verarbeiten. Abnehmer für das Produkt gibt es bisher noch nicht. Daher will HWS einen Teil der künftig produzierten Biokohle dazu nutzen, eigene Verwaltungsgebäude zu beheizen. Dazu müsste eine bestehende Heizölanlage auf die Biokohlefeuerung umgestellt werden.

Wissenschaftlich begleitet wird das Hallenser Biokohle-Projekt vom DBFZ Deutschen Biomasse-Forschungszentrum, das gleichzeitig auch andere HTC-Entwicklungen verfolgt. Es gebe inzwischen viele Konzepte und mehrere Demoanlagen, berichtete DBFZ-Arbeitsgruppenleiter Marco Klemm. Sie müssten nun nachweisen, dass sie sich für stabile Produktionsprozesse eignen. Die produzierte Biokohle sieht Klemm nicht nur als Brennstoff, sondern auch als Kohlenstoff-Träger, der in metallurgischen und chemischen Industrieprozessen genutzt werden kann.


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