Die stadteigene Holding LVV steht für Gespräche zur Übernahme der VNG-Aktienmehrheit bereit, falls der neue Mehrheitsaktionär EWE sich für einen Verkauf entscheiden sollte. Der Oldenburger Energiekonzern konnte sich bisher noch nicht mit den anderen Aktionären über die künftige Ausrichtung des Unternehmens einigen.

Die alleinige Kontrolle über den Leipziger Erdgashändler zu erlangen, erweist sich als schwieriges Unterfangen. Foto: Stefan Schroeter


Die Stadt Leipzig hat sich bereit erklärt, über eine Übernahme der Aktienmehrheit am Leipziger Erdgashändler VNG Verbundnetz Gas zu verhandeln. Das geht aus einer Mitteilung der stadteigenen Holding LVV Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft von heute hervor. Danach steht LVV für Gespräche zur Übernahme der von EWE gehaltenen VNG-Aktienmehrheit bereit, falls EWE sich entscheiden sollte, diese Anteile zu veräußern. Derzeit sei noch offen, ob EWE diese VNG-Beteiligung dauerhaft halten werde.

LVV prüft nach eigenen Angaben alle Optionen, um VNG am Standort Leipzig zu sichern und die strategische Bedeutung des Unternehmens für die Versorgungssicherheit in Ostdeutschland nachhaltig zu bewahren. VNG stehe für einen entscheidenden Teil der Infrastruktur für Versorgungssicherheit in Ostdeutschland und sei damit von großem öffentlichem Interesse. Als erfolgreiches ostdeutsches Unternehmen sei VNG mit Konzernsitz in Leipzig für den Freistaat Sachsen und die gesamte Region von herausragender wirtschaftlicher Bedeutung, hieß es weiter.

Der Oldenburger Energiekonzern EWE hatte sich im Frühjahr mit dem langjährigen VNG-Aktionär Wintershall darauf geeinigt, dessen VNG-Anteil von 15,79 % für 320 Millionen Euro zu übernehmen. Damit konnte EWE seine Beteiligung auf eine Aktienmehrheit von 63,69 Prozent aufstocken. Im Oktober wurde die Transaktion vom Bundeskartellamt ohne Auflagen genehmigt und daraufhin von den Unternehmen abgeschlossen. Der zweitgrößte verbliebene VNG-Aktionär ist die VUB Verbundnetz Gas Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft, die für zehn ostdeutsche Kommunen eine knappe Sperrminorität von 25,79 Prozent verwaltet. Zu ihnen zählt Leipzig mit einem VNG-Anteil von 7,02 %. Dritter VNG-Aktionär ist der russische Energiekonzern Gasprom mit 10,52 %.

Im Juni hatten EWE und VUB eine erste Aktionärsvereinbarung geschlossen, die erste Regelungen für den Erhalt des VNG-Sitzes in Leipzig und der hier bestehenden Arbeitsplätze enthielt. Dazu sollten eigentlich bis Oktober weitere Einzelregelungen vereinbart werden. Außerdem hatten sich EWE und VUB vorgenommen, sich bis dahin auf eine zukunftsfähige Ausrichtung der VNG-Strategie und auf eine Dividendenpolitik zu einigen. Doch das ist bis heute nicht gelungen.

EWE ist auf eine Einigung mit den kommunalen Aktionären angewiesen, weil eine VNG-Aktionärsvereinbarung aus dem Jahr 1991 die alleinige Kontrolle des Unternehmens durch einen einzelnen Gesellschafter erschwert oder verhindert. Vermutlich deshalb hatte der Oldenburger Energiekonzern in den vergangenen Monaten auch schon angedeutet, dass er seinen VNG-Mehrheitsanteil auch an einen anderen Investor verkaufen könnte, wenn keine Einigung mit den anderen Aktionären gelingen sollte.

Auch in der LVV-Mitteilung hieß es nun, dass derzeit noch nicht absehbar sei, ob EWE seine VNG-Beteiligung dauerhaft halten oder veräußern werde. Daher habe sich LVV dazu entschlossen, alternativ das eigene Interesse an dem von EWE gehaltenen VNG-Aktienpaket zu bekunden. Um dieses Vorhaben erfolgreich zu gestalten und die Investitionen der LVV-Gruppe in die Infrastruktur der Stadt Leipzig planmäßig voranzutreiben, sei eine nachhaltige Partnerschaft mit weiteren Investoren aus der Kommunal- und Finanzwirtschaft unerlässlich.


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