Die verfügbaren Daten der sächsischen Biogasanlagen lassen vermuten, dass viele von ihnen in einer wirtschaftlich ungünstigen Betriebsweise laufen. Die Betreiber könnten das mitunter schon mit einfachen Maßnahmen ändern.

Ob sich in dieser Biogasanlage mehr aus den Einsatzstoffen machen ließe, ist nicht bekannt. Bei vielen anderen Anlagen scheint das möglich zu sein. Foto: AEE


Ein Großteil der Biogasanlagen in Sachsen schöpft nach einer Untersuchung der Dresdner Ingenieurgesellschaft Gicon sein betriebswirtschaftliches Potenzial nicht aus. Das habe eine statistische Auswertung der im Internet verfügbaren Daten von 185 der insgesamt 250 sächsischen Biogasanlagen ergeben, sagte der Bereichsleiter Energietechnik, Stefan Zorn, gestern auf der Leipziger Energiemesse Enertec. Zorn hatte so die Laufzeiten der Block-Heizkraftwerke ermittelt, die das produzierte Biogas vor Ort zur Strom- und Wärmeproduktion nutzen.

Nach seiner Analyse werden nur 15 Prozent der sächsischen Biogas-BHKW mit jährlich 8.000 Vollbenutzungs-Stunden betrieben, die er als notwendig für einen wirtschaftlichen Betrieb ansieht. Die übrigen 85 Prozent der BHKW liegen teilweise deutlich darunter. Bei einem Drittel davon erklärt Zorn sich die kürzere Laufzeit damit, dass der erzeugte Strom über eine sogenannte Direktvermarktung verkauft wird. Dieses Modell erfordert eine flexible Fahrweise des BHKW und verringert so seine Auslastung, gleicht dies aber mit einer höheren Stromvergütung mehr als aus.

Bei einem Großteil der BHKW mit kurzen Laufzeiten vermutet der Experte allerdings, dass sie noch ein Potenzial für eine Betriebsoptimierung bieten. Besonders stark ist diese Vermutung bei dem Viertel der BHKW, die weniger als 6.000 Vollbenutzungs-Stunden laufen, und erst recht bei dem Zehntel, wo es sogar weniger als 5.000 Stunden sind.

Gicon bietet den Betreibern an, ihre Biogasanlage zunächst zu analysieren und danach gezielt zu optimieren. Bisher sei die Resonanz auf dieses Angebot allerdings verhältnismäßig gering, berichtete der Bereichsleiter. Dabei reichen nach seiner Erfahrung oftmals schon einfache Änderungen der Betriebsweise aus, um die Wirtschaftlichkeit zu verbessern.

Als Beispiel führte Zorn eine Anlage an, in deren Gärbehältern die langsam laufenden und die schnell laufenden Rührwerke nicht gut aufeinander abgestimmt waren. Das führte zu einem hohen Stromverbrauch für diese Technik, der bereits durch eine Harmonisierung des Rührwerk-Betriebs halbiert werden konnte. Damit wurden Zorn zufolge jährliche Stromkosten von 30.000 Euro eingespart.


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