Das Gemeinschaftsunternehmen von Eon und Schüco hat in Osterweddingen bei Magdeburg mit der Produktion von Dünnschicht-Solarmodulen begonnen. Das Werk soll später für die Produktion von leistungsfähigeren Tandem-Solarzellen aufgerüstet werden. 06/2009



Malibu gross


Seine Kanten werden dem Glas zuerst abgeschliffen, bevor es zu einem Dünnschicht-Solarmodul werden kann. Der Kantenschleifer ist eine der einfacheren Anlagen im neuen Werk der Malibu GmbH & Co. AG in Osterweddingen bei Magdeburg. Technisch anspruchsvoller ist schon die Laseranlage, die der 5,7 Quadratmeter großen Glasplatte erstmals die Strukturen der einzelnen Solarzellen einritzt. Hochtechnologie kommt schließlich in der so genannten AKT-Beschichtung zum Einsatz, wenn das Glas nacheinander mit verschiedenen Materialien hauchdünn beschichtet wird. Unter ihnen amorphe Siliziumschichten, die entscheidend sind für die künftige Stromproduktion des Solarmoduls. Den Wirkungsgrad der Module gibt Malibu, ein Gemeinschaftsunternehmen des Düsseldorfer Energiekonzerns Eon AG und des Bielefelder Fassadenspezialisten Schüco International KG, derzeit mit sieben Prozent an.

Malibu arbeitet auch schon an so genannten Tandem-Solarzellen, bei denen die amorphen Siliziumschichten mit mikrokristallinen Siliziumschichten kombiniert werden. Sie sollen Wirkungsgrade von zehn Prozent ermöglichen. Am Forschungsstandort Bielefeld würden die Tandemzellen bereits auf einer Pilotanlage gefertigt, berichtete Schüco-Pressesprecher Thomas Lauritzen. Die Produktionsanlage in Osterweddingen wurde schon so gebaut, dass sie für die Serienproduktion dieser Tandemzellen aufgerüstet werden kann. Der Zeitpunkt dafür steht Lauritzen zufolge noch nicht fest. Sie würde es ermöglichen, die zunächst vorgesehene jährliche Produktionskapazität des Werks von Solarmodulen mit 40 Megawatt (MW) Spitzenleistung auf 60 MW zu steigern. In Osterweddingen wurde auch schon das Muster eines semitransparenten Solarmoduls vorgestellt, das Stromgewinnung, Sonnenschutz und Lichtdurchlässigkeit verknüpfen soll. „Wir hoffen, dass wir das semitransparente Modul 2010 anbieten können“, sagte Lauritzen.



Solarstrom in Südfrankreich

Eon und Schüco haben 100 Mio. Euro in das Werk investiert, das vom US-amerikanischen Spezialisten Applied Materials mit Dünnschicht-Produktionsanlagen ausgerüstet wurde.  Zu den 120 Arbeitsplätzen im Werk selbst kommen weitere 30 am Forschungs- und Entwicklungsstandort Bielefeld. Schon seit Oktober 2008 wurde die Produktion in Osterweddingen hochgefahren, die volle Kapazität soll im kommenden Jahr erreicht werden. Malibu kann auch schon die erste Referenz vorweisen: Das Werk bei Magdeburg wurde zeitgleich mit dem Eon-Solarpark Le Lauzet nahe der südfranzösischen Stadt Marseille eingeweiht. In dieser Fotovoltaik-Anlage, die  über eine Spitzenleistung von insgesamt fünf Megawatt verfügt, wurden Solarmodule verschiedener Hersteller verbaut. Ein Fünftel dieser Leistung erbringen Malibu-Module aus Osterweddingen. Der Standort Le Lauzet ist Eon zufolge mit seiner hohen Sonneneinstrahlung besonders gut für die Erzeugung von Solarstrom geeignet. Der Konzern rechnet hier mit mehr als 1.400 Vollaststunden pro Jahr. Für den Vertrieb der Solarmodule kann Malibu außerdem das Schüco-Liefernetz von rund 1.000 Handwerkern in Deutschland, Frankreich und Italien nutzen. Eine wichtige Rolle dürften dabei Solarfassaden an Gebäuden spielen.


Acht Milliarden Euro für erneuerbare Energien


Eon-Vorstandschef Wulf Bernotat kündigte in Osterweddingen einen starken Ausbau erneuerbarer Energien an. Bis 2030 werde Eon ihren Anteil an seiner installierten Kraftwerksleistung auf mindestens 35 Prozent ausbauen. Die spezifischen CO2-Emissionen pro erzeugter Kilowattstunde Strom sollen bis dahin auf 315 Gramm halbiert werden. „Erneuerbare Energien zählen zum Eon-Kerngeschäft und zu den Wachstumsfeldern, auf die wir unsere Investitionen in den kommenden Jahren konzentrieren wollen“, so Bernotat. Dazu will der Konzern allein bis 2011 acht Milliarden Euro investieren. Als Ziel nennt er, bis 2015 über mindestens 10.000 MW Erzeugungskapazität aus Windkraft, Fotovoltaik, Biomasse und Biogas zu verfügen. Derzeit sind es 2.200 MW. 

Die hohen Investitionen in erneuerbare Energien machen die Branche zunehmend zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. „Das Erneuerbare Energien Gesetz erweist sich als erfolgreiches Konjunkturprogramm“, sagte Bundes-Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Dieses Gesetz legt fest, welche Einspeisevergütungen die Netzbetreiber an Produzenten von Strom aus Biomasse, Geothermie, Sonne, Wasserkraft und Wind zu zahlen haben. Der Bau von Solarkraftwerken beflügelt auch die einheimische Produktion der dafür benötigten Technik: Guttenberg zufolge hat Deutschland mittlerweile die größte Dichte an Solarfabriken weltweit erreicht. In 15.000 Betrieben mit 70.000 Arbeitsplätzen seien im Jahr 2008 insgesamt 8 Milliarden Euro erwirtschaftet worden. Die Exportquote bezifferte der Minister mit 45 Prozent.





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