Auf einem ehemaligen Militärflughafen bei Leipzig baut die juwi solar GmbH das mit 40 MWp weltweit größte Fotovoltaik-Kraftwerk. Möglicherweise wächst die Anlage nach 2009 noch weiter. 04/2007


brandis_grossDünnschicht-Solarmodule auf Aluminiumgestelle zu montieren, war für Thomas Jurk offensichtlich eine ungewohnte Arbeit. Unter fachkundiger Anleitung von Matthias Willenbacher ging sie dem sächsischen Wirtschaftsminister dann zunehmend flott von der Hand: Der Politiker und der Geschäftsführer der juwi GmbH verschraubten Ende April 2007 die ersten Module für das nach Unternehmensangaben weltweit größte Fotovoltaik -Kraftwerk. Für 130 Mio. Euro errichtet die juwi solar GmbH auf dem ehemaligen Militärflughafen Waldpolenz in Brandis bei Leipzig eine Anlage mit 40 MWp installierter Spitzenleistung.

 

Wo bis 1992 noch russische Kampfhubschrauber und Erdkampfbomber zu ihren Übungsflügen starteten, sind nun 100 Monteure damit beschäftigt, insgesamt 550 000 Cadmium-Tellurid -Solarzellen von First Solar auf die Gestelle zu schrauben, zu verschalten und ans Netz anzuschließen. Wie Stephan Hansen, Geschäftsführer der in Mainz ansässigen deutschen Tochter First Solar GmbH, sagte, werden diese Dünnschicht-Zellen auf Glasbasis derzeit noch in den USA produziert. Ab Sommer 2007 sollen sie auch aus dem neuen Werk des Unternehmens in Frankfurt/Oder kommen. Dort baut das Unternehmen derzeit die laut Hansen weltweit größte Fertigung für Dünnschicht-Module mit einer Jahreskapazität von 100 MWp auf.


Die Solarindustrie wird in Sachsen ein bedeutender Wirtschaftsfaktor

Sinkende Kosten durch Größenvorteile sowohl bei der Fertigung der Module, als auch beim Bau großer Fotovoltaikanlagen ermöglichen es Hansen zufolge, die Vorgaben des Erneuerbare Energien Gesetzes für sinkende Einspeisesätze zu erfüllen. In Brandis wird der Strom aus den ersten Kraftwerks-Blöcken, die im Jahr 2007 in Betrieb gehen, noch mit 37,96 Ct./kWh vom Netzbetreiber envia Verteilnetz GmbH vergütet. Für die letzten Blöcke, die ab Dezember 2009 Strom liefern sollen, sinkt die Vergütung auf 33,18 Ct./kWh.

Möglicherweise wächst die Anlage in Waldpolenz auch danach noch weiter: Nach der jetzigen Planung wird sie lediglich die Hälfte der verfügbaren Fläche von insgesamt 220 Hektar einnehmen. Wie der Brandiser Bürgermeister Andreas Dietze sagte, ist eine Erweiterung um weitere 20 MW möglich. Zunächst wollten die Partner allerdings die Erfahrungen beim Bau der Anlage auswerten. Dietze hätte die freien Flächen auch gern genutzt, um das Werk von First Solar in Waldpolenz anzusiedeln. Da es nun in Frankfurt gebaut wird, will sich der Bürgermeister  weiter um Hersteller von Systemkomponenten bemühen. Juwi selbst plant, auf dem Gelände seine  Niederlassung Ost einzurichten und dazu eines der bestehenden Flughafen -Gebäude zu einem Bürotrakt mit Informationszentrum umzubauen. Von hier aus will das in Rheinland-Pfalz ansässige Unternehmen künftig mit 15 bis 20 Mitarbeitern die Projekte in der Region betreuen. Zehn von ihnen sollen für die technische Betriebsführung der fertigen Anlage Waldpolenz sorgen. Juwi hatte bereits Ende März 2007 auf einem weiteren ehemaligen Militärflughafen nordöstlich von Leipzig einen Solarpark mit 6 MWp in Betrieb genommen. Dort wurden ebenfalls Dünnschicht-Module von First Solar verbaut. Weitere Projekte in Waldpolenz kann sich Willenbacher vor allem bei Bioenergie vorstellen. „Wir sind offen für alles.“

Offen für erneuerbare Energien ist auch der sächsische Wirtschaftsminister. Sein Energiekonzept sehe ihre zunehmende Nutzung vor, sagte Jurk – gleichberechtigt neben Energiesparen und hocheffizienter Braunkohle-Nutzung. Das Energieprogramm des Freistaats aus dem Jahr 2004 widme den erneuerbaren Energien ganze zwei Sätze, so der seit November 2004 amtierende Minister. „Das kann so nicht bleiben.“ Schließlich ist die Solarindustrie mit Produktionsstandorten in Freiberg, Dresden und Torgau inzwischen ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für Sachsen geworden: Die Branche wird nach Jurks Schätzung in diesem Jahr mehr als 2 000 Menschen beschäftigen und bis zu 1 Mrd. Euro umsetzen.

 

Solar-Kraftwerk Waldpolenz

 

Spitzenleistung: 40 MWp


Modulfläche: 400 000 m2

 

Stromertrag: 40 Mio. kWh/a


Einspeisevergütung: 33,18 bis 37,96 Ct./kWh

 

Investition: 130 Mio. Euro