Strom-Großverbraucher sparen hunderte Millionen Euro

Strom-Großverbraucher sparen hunderte Millionen Euro

Unternehmen, die besonders viel Strom verbrauchen, müssen seit 2011 keine Netzentgelte mehr zahlen. Bis März hatte die Bundesnetzagentur Entlastungen von insgesamt 121 Mio. Euro genehmigt, sie erwartet aber noch einen deutlichen Anstieg. 25/04/2012

Unternehmen, die besonders viel Strom verbrauchen, müssen seit 2011 keine Netzentgelte mehr zahlen. Bis März hatte die Bundesnetzagentur Entlastungen von insgesamt 121 Mio. Euro genehmigt, sie erwartet aber noch einen deutlichen Anstieg. 25/04/2012



Der Bau und Betrieb von Stromnetzen kostet viel Geld. Von diesen Kosten hat die Bundesregierung die größten Stromverbraucher befreit. Foto: Stefan Schroeter



Von der Netzentgelt-Befreiung für große Stromverbraucher profitieren mindestens 62 Industrieunternehmen. Ihre Anträge für eine Befreiung im Jahr 2011 hatte die Bundesnetzagentur bis zum 1. März 2012 genehmigt. Damit sparen diese Unternehmen insgesamt 121 Mio. Euro Stromnetz-Entgelte. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Bundestags-Fraktion Bündnis 90/Grüne hervor. Weitere 219 Befreiungsanträge von Strom-Großverbrauchern werden derzeit noch bearbeitet. Die BNetzA schätzt, dass der Entlastungsbetrag für 2011 dadurch noch auf 217 Mio. Euro steigen kann. Für 2012 erwartet sie einen Anstieg auf 440 Mio. Euro. In einem Medienbericht ist auch schon eine jährliche Entlastungssumme von bis zu 1 Milliarde Euro genannt worden.

Der Bundestag hatte im Sommer 2011 die Stromnetz-Entgeltverordnung geändert. Mit der neuen Regelung werden Höchstverbraucher, die innerhalb eines Jahres in 7.000 Betriebsstunden mehr als 10 Gigawattstunden Strom verbrauchen, vollständig von Netznutzungsentgelten befreit. Die Kosten dafür werden über eine separate Umlage bundesweit auf alle anderen Stromverbraucher verteilt. Die BNetzA hatte am 14. Dezember ein Entlastungsvolumen von 300 Mio. Euro festgelegt, aus dem die Netzbetreiber eine Umlage von 0,151 Ct/kWh für das Jahr 2012 ermittelten. Mehrere hundert Stromversorger nutzten diese Umlage danach, um ihre teilweise deutlich höheren Strompreis-Steigerungen zu begründen.

Die bisher für 2011 genehmigte Befreiung entfällt überwiegend auf Unternehmen der Aluminium-, Chemie- und Stahlindustrie, die insgesamt um 85 Mio. Euro entlastet werden. Weitere größere Profiteure sind die Branchen Elektronik, Papier, Öl und Glas mit insgesamt 27 Mio. Euro. Die Energieerzeugung wird mit 2 Mio. Euro entlastet. Bezogen auf die Bundesländer erhalten Unternehmen in Nordrhein-Westfalen mit 41 Mio. Euro die größte Netzentgelt-Befreiung. Es folgen Bayern mit 30 Mio. Euro und Hamburg mit 28 Mio. Euro.

Bevor der Bundestag die Strom-Großverbraucher vollständig von den Netzentgelten befreite, waren sie schon teilweise davon entlastet worden. Dabei galt noch die Einschränkung, dass die Entlastung nur den Beitrag des Verbrauchers zur Senkung oder Vermeidung von Netzkosten widerspiegeln durfte. Außerdem waren die Kosten für diese Teilbefreiung, die im Jahr 2010 insgesamt 33 Mio. Euro betrugen, noch mit den Netzentgelten der jeweils betroffenen Netzbetreiber verrechnet und nicht bundesweit umgelegt worden.

Zuletzt hatte die Linksfraktion im Bundestag gefordert, die Ausnahmeregelung für Strom-Großverbraucher rückgängig zu machen. Ihre entsprechende Vorlage stieß in einer ersten Beratung am 29. März auf den Widerstand der Regierungskoalition. SPD und Bündnis90/Grüne sprachen sich dagegen ebenfalls gegen die Ausnahmeregelung aus. 



Einen ausfuehrlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier.




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