Nach harten Verhandlungen mit Gasprom akzeptierte Weißrussland den Übergang zu international üblichen Preismechanismen. Der russische Konzern kann sich außerdem am weißrussischen Netzbetreiber Beltransgas beteiligen. 01/2007


a_gasprom_logo_grossZum Jahresende 2006 hatte sich der seit Jahren anhaltende Gasstreit zwischen dem staatlich dominierten russischen Konzern OAO Gasprom und Weißrussland (Belarus) deutlich verschärft. Wenige Tage vor Silvester scheiterten Verhandlungen zwischen Gasprom-Vorstandschef Alexej Miller und dem weißrussischen Vize-Regierungschef Wladimir Semaschko über einen neuen Liefervertrag mit höheren Preisen. Damit schien eine Transport- und Versorgungskrise bei russischem Erdgas heraufzuziehen: Ohne gültigen Liefervertrag gebe es für Gasprom ab 1. Januar 2007 keine Grundlage für Lieferungen an Belarus, sagte Miller danach. Semaschko wies darauf hin, dass dann auch die vertragliche Grundlage für den Transport von jährlich 44 Mrd. m3 russischem Erdgas über weißrussisches Territorium nach Mittel- und Westeuropa fehle. Von dieser Transitmenge pumpt Gasprom 30 Mrd. m3 durch die Jamal-Pipeline, deren weißrussisches Teilstück dem Konzern gehört. Weitere 14 Mrd. m3 transportiert der weißrussische Netzbetreiber OAO Beltransgas für den russischen Partner nach Westen.

 

In Auseinandersetzungen um höhere Lieferpreise, eine Beteiligung Gasproms an Beltransgas und unberechtigt aus dem Leitungssystem entnommene Gasmengen hatte der russische Konzern Anfang 2004 schon einmal für mehrere Stunden die Lieferungen in das Nachbarland vollständig unterbrochen. Davon waren damals auch Polen, Litauen und die russische Exklave Kaliningrad (Königsberg) betroffen. Die deutschen Gasversorger konnten ausgebliebene Lieferungen russischen Erdgases auf der Belarus-Strecke durch Lieferungen über die Ukraine ausgleichen. Durch deren Transportsystem erfolgt mit jährlich bis zu 120 Mrd. m3 der weitaus größte Teil des Transits von russischem Erdgas nach Mittel- und Westeuropa. Dieser Transportweg war zum Jahreswechsel 2005/2006 ebenfalls von einem teilweisen Lieferstopp betroffen, als Gasprom mit der Ukraine über höhere Preise stritt. Damals sank auch in den Leitungssystemen einiger mittel- und westeuropäischer Länder der Druck.

 

 

Bis 2011 steigt der Gaspreis für Belarus auf europäisches Niveau

 

Diesmal einigten sich Gasprom und Belarus buchstäblich zwei Minuten vor Zwölf: 23.58 Uhr Moskauer Zeit wurde am 31. Dezember 2006 im Gasprom-Hauptquartier der Erdgas -Liefervertrag für 2007 bis 2011 unterschrieben. Danach steigt der Preis im Jahr 2007 von bisher knapp 47 US-Dollar zunächst auf 100 US-Dollar je 1 000 m3 . Das ist etwa ein Drittel dessen, was deutsche Ferngasversorger derzeit durchschnittlich für importiertes Erdgas zahlen. Ab 2008 werden die Preise für Belarus nach einer Formel berechnet, die den am Ölpreis orientierten Preisformeln für russische Gaslieferungen nach Mittel- und Westeuropa entspricht. Mit jährlich sinkenden Rabatten steigt der Gaspreis dabei schrittweise bis 2011 auf das europäische Niveau. Im Gegenzug wurde der Tarif, den Beltransgas für den Transit von 1 000 m3 russischem Erdgas erhält, auf 1,45 US-Dollar je 100 km verdoppelt. Auf den Netzbetreiber hat Gasprom künftig einen direkten Einfluss: Der Konzern kann für 2,5 Mrd. US-Dollar innerhalb von vier Jahren einen Anteil von 50 Prozent an Beltransgas übernehmen. Um die Bewertung dieses Unternehmens hatten die Partner lange gestritten.

 

Belarus war der letzte Nachfolgestaat der Sowjetunion, der für die Erdgasimporte ein sehr günstiges Preisniveau nahe russischen Inlandspreisen halten konnte. Andere Nachbarländer beliefert Gasprom bereits seit Jahren zu höheren Preisen, die schrittweise auf europäisches Niveau steigen sollen. Dabei verläuft der Anpassungsprozess in Ländern wie Armenien oder Moldawien, die Russland politisch nahe stehen, etwas langsamer und ist damit für die Volkswirtschaften besser verkraftbar. Das geografisch nahe, aber politisch ferne Georgien muss dagegen für 2007 einen auf 235 US-Dollar verdoppelten Gaspreis bewältigen. In Russland selbst verkauft Gasprom das Erdgas derzeit noch zu staatlich regulierten Niedrigpreisen. Bis 2011 ist für industrielle Verbraucher ein Übergang zu Marktpreisen geplant.

 

 

Erdgas in Belarus


Eigene Förderung: 250 Mio. m3

Import aus Russland: 21 Mrd. m3

Transit: 44 Mrd. m3