Der Erdgasimporteur Verbundnetz Gas hat sich mit seinen beiden wichtigsten Vorlieferanten über Anpassungen der teuren Langfristverträge einigen können. Das meiste Erdgas kauft er inzwischen im kurz- und mittelfristigen Handel ein.


Nach einem verlustreichen Jahr schreibt Verbundnetz Gas nun wieder schwarze Zahlen. Foto: Stefan Schroeter


Der Leipziger Erdgasimporteur VNG Verbundnetz Gas hat im vergangenen Geschäftsjahr 2012 wieder einen Gewinn erwirtschaftet. Das Unternehmen erzielte einen Überschuss von 132 Millionen Euro, nachdem im Jahr zuvor noch ein Verlust von 260 Mio. Euro verbucht wurde. Der Umsatz stieg durch einen gewachsenen Gasabsatz und höhere Preise um 22 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro.

In die Verlustzone war VNG so tief gerutscht, weil das Unternehmen durch Langfristverträge verpflichtet war, bei seinen Vorlieferanten große Erdgasmengen zu hohen Preisen abzunehmen. Dieses teure Erdgas konnte es nicht mehr mit Gewinn verkaufen, weil in Europa ein Überangebot herrschte und die Großhandelspreise stark gesunken waren. Mittlerweile hat sich VNG aber mit seinen beiden wichtigsten Vorlieferanten über Anpassungen der Langfristverträge geeinigt. Das ist zum einen das WIEH Wintershall Erdgas Handelshaus, ein Gemeinschaftsunternehmen des russischen Energiekonzerns Gasprom mit der deutschen BASF-Tochter Wintershall, und zum anderen der norwegische Energiekonzern Statoil.

Wie heute VNG-Vorstandschef Karsten Heuchert sagte, betreffen diese Einigungen 85 Prozent des langfristigen Einkaufsportfolios. Mit den anderen Lieferanten würden die Verhandlungen und Preisanpassungsverfahren fortgesetzt. „Dabei sind wir stets an konstruktiven Lösungen interessiert“, so Heuchert. „Aber unsere Partner wissen auch, dass wir Schiedsverfahren nicht scheuen – wenn es nicht anders geht.“ Die betreffenden Vorlieferanten wollte er nicht nennen. Frühere Informationen und aktuelle Angaben lassen allerdings die Vermutung zu, dass es sich dabei um zwei deutsche Töchter von Exxonmobil und eine deutsche Tochter des britisch-niederländischen Konzerns Shell handeln könnte.

Ein Ergebnis der Anpassungen ist offenbar, dass VNG die über Langfristverträge eingekauften Erdgasmengen aus Norwegen stark reduzieren konnte. Vor allem dadurch gingen die Einkäufe aus Langfristverträgen auf 108 Mrd. Kilowattstunden zurück. Die Mengen, die das Unternehmen im kurz- und mittelfristigen Handel an Spot- und Terminmärkten beschafft, stiegen dagegen stark auf 161 Mrd. kWh an und übertreffen damit inzwischen die Einkäufe aus Langfristverträgen.