In Halle/Saale wird überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energien in einer „Power-to-Heat“-Anlage genutzt, um Fernwärme zu produzieren. Damit müssen weniger Wind- und Solarparks abgeregelt werden. Der Übertragungsnetz-Betreiber 50 Hertz baut mit Partnern eine ganze Reihe solcher Anlagen.

 

Windpark bei Weißenfels, südlich von Halle/Saale. Archivfoto 2016: Stefan Schroeter

Die EVH Energieversorgung Halle und der Übertragungsnetz-Betreiber 50 Hertz haben im Energiepark Dieselstraße in Halle an der Saale eine Anlage für „Power-to-Heat“ (Strom zu Wärme) offiziell in Betrieb genommen. Wie EVH weiter mitteilte, ist es die erste derartige Anlage in Sachsen-Anhalt und hat eine Leistung von 45 Megawatt. 50 Hertz hat die Investitionskosten von 8,5 Millionen Euro vollständig finanziert und das Projekt gemeinsam mit EVH umgesetzt.

Die Anlage verfügt über einen Elektroden-Heizkessel, der mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden soll. In diesem Kessel wird Wasser auf 130 Grad Celsius erhitzt und dann in einen Heißwasser-Speicher geleitet. Dort kann das Heißwasser für längere Zeit gespeichert und bei Bedarf in das Fernwärmenetz abgegeben werden.

Der Heizkessel soll Überschuss-Strom aus regionalen Solar- und Windparks nutzen, der wegen Engpässen im Stromnetz nicht zu den Verbrauchszentren abtransportiert werden kann. Um die Netze in Zeiten starker Solar- und Windstrom-Produktion zu entlasten, müssen viele Anlagen abgeschaltet werden. Wenn der erzeugte Strom nun in einer nahen PTH-Anlage genutzt werden kann, können in solchen Situationen mehr Solar- und Windanlagen am Netz bleiben.

Für EVH ist der Strom-Wärmeerzeuger ein wichtiger Baustein in der Dekarbonisierungs-Strategie. In Halle-Trotha gibt es bereits seit fünf Jahren eine Solarthermie-Anlage mit 3,3 Megawatt Wärmeleistung, die an das Fernwärmenetz angeschlossen ist. Derzeit werden Projekte für Großwärmepumpen vorbereitet. Sie sollen es bis zum Jahr 2027 ermöglichen, Umweltwärme aus Fluss- und Abwasser zu nutzen.

 

Zehn Anlagen für die Systemführung

Nach dem Prinzip „Nutzen statt Abregeln“ setzt 50 Hertz derzeit eine ganze Reihe von PTH-Projekten mit verschiedenen Partnern um. So hat der Übertragungsnetz-Betreiber im Juni 2023 eine PTH-Anlage mit 80 Megawatt in Wedel bei Hamburg in Betrieb genommen. Die Investitionskosten lagen hier bei 31,5 Millionen Euro. Im September folgte eine PTH-Anlage mit 20 Megawatt in Rostock, die für 20 Millionen Euro errichtet wurde.

Insgesamt hat 50 Hertz bisher für zehn PTH-Anlagen sogenannte Redispatch-Verträge mit Partnern abgeschlossen. Ein Teil dieser Anlagen wird noch in mehreren ostdeutschen Städten gebaut oder vorbereitet. Bei diesen Projekten planen, bauen und betreiben die Partner die Anlagen.

Der Übertragungsnetz-Betreiber übernimmt jeweils die Investitionskosten und bezieht die Anlage in seine Steuerung von Netzengpässen ein. Wenn alle zehn Anlagen fertiggestellt sind, kann seine Systemführung auf insgesamt 240 Megawatt installierte Leistung zurückgreifen, um Netzengpässe zu entschärfen.

 

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