Eine neue Leitung für die Hochspannungs-Gleichstromübertragung soll ab dem Jahr 2022 den im Nordosten reichlich verfügbaren Windstrom über Sachsen-Anhalt nach Süddeutschland transportieren. Nach einem neuen Planungsentwurf der Netzbetreiber könnte sie deutlich länger werden als bisher vorgesehen.

Am Chemiestandort Leuna, Sachsen-Anhalt, führen Starkstromleitungen nach Süden. Hier könnte noch eine weitere Leitung hinzukommen. Foto: Stefan Schroeter


Die vier deutschen Übertragungsnetz-Betreiber haben gestern einen aktualisierten Entwurf des NEP Netzentwicklungsplans vorgelegt. Darin ist unter anderem vorgesehen, die geplante neue Leitung für die Hochspannungs-Gleichstromübertragung Südost gegenüber dem bisherigen Entwurf deutlich zu verlängern. Diese HGÜ-Leitung soll ab dem Jahr 2022 Windstrom aus Nordostdeutschland über Sachsen-Anhalt nach Süddeutschland transportieren.

Der Anfangspunkt dieser HGÜ-Leitung war bisher in Bad Lauchstädt bei Halle/Saale vorgesehen. Nun wurde er nach Norden auf Wolmirstedt bei Magdeburg verschoben. Ihr bayerischer Endpunkt liegt nun nicht mehr in Meitingen, sondern etwas weiter südlich am Kernkraftwerks-Standort Gundremmingen. Damit wächst die Leitungslänge von den bisher geplanten 450 Kilometern auf 600 km. Die Netzbetreiber begründeten die Verlängerung mit einem stärkeren Zuwachs der Windkraft im Nordosten und mit Erkenntnissen aus den Konsultationen zum ersten Entwurf des NEP, der im April vorgelegt worden war.

Auf welche Übertragungsleistung die HGÜ-Leitung ausgelegt werden soll, steht noch nicht endgültig fest. Die Netzbetreiber haben im NEP verschiedene Szenarien dafür berechnet, wie sich der Stromtransport-Bedarf in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren entwickeln könnte. Für alle diese Szenarien ist es nach ihrer Ansicht notwendig, die HGÜ-Leitung Südost mit einer Übertragungsleistung von zwei Gigawatt auf der nun geplanten Strecke von Wolmirstedt nach Gundremmingen zu bauen.

In einem dieser Szenarien halten sie es außerdem für angebracht, die Übertragungsleistung zu verdoppeln und eine 2 GW starke nördliche Verlängerungsleitung von Wolmirstedt über 240 km nach Güstrow zu verlegen. Und in einem dritten Szenario möchten sie auch diese Verlängerung noch auf eine Übertragungsleistung von 4 GW aufrüsten. Dann wäre die HGÜ-Leitung Südost insgesamt 840 km lang und könnte Strom mit einer Übertragungsleistung von 4 GW übertragen.

Insgesamt planen die Netzbetreiber vier HGÜ-Leitungen von Nord- nach Süddeutschland. Damit wollen sie den norddeutschen Windstrom in die süddeutschen Verbrauchszentren transportieren,  um dort den Strom der auslaufenden Kernkraft zu ersetzen. Außerdem ist eine Reihe weiterer Ausbaumaßnahmen im Übertragungsnetz vorgesehen. Als gesetzliche Grundlage für den HGÜ-Leitungsbau nennen die Netzbetreiber das Bundes-Bedarfsplangesetz. Neben dem NEP haben sie gestern außerdem einen zweiten Entwurf für den Offshore-Netzentwicklungsplan vorgelegt, in dem sie den geplanten Netzausbau für Meeres-Windparks in Nord- und Ostsee beschreiben. Die Bundesnetzagentur kündigte an, die Entwürfe nun „sehr sorgfältig“ zu prüfen. Danach, allerdings nicht vor Februar 2015, soll eine Konsultion folgen.

Das Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalts und das Energieministerium Mecklenburg-Vorpommerns begrüßten die geplante Verlängerung der HGÜ-Leitung Südost. Dagegen hatten die Landesregierungen von Thüringen und Bayern dieses Projekt bisher in Frage gestellt. In den beiden benachbarten Ländern hat bereits die sogenannte Südwest-Kuppelleitung, die ebenfalls Strom von Ostdeutschland nach Bayern transportieren soll, für starke Widerstände in der Bevölkerung gesorgt. Dadurch ist dieses Leitungsprojekt, das auch als Thüringer Strombrücke bekannt ist, bereits stark verzögert worden. Ob und auf welche Weise es endgültig umgesetzt werden kann, wird wahrscheinlich das Bundesverfassungsgericht entscheiden. Dort läuft derzeit eine Verfassungsbeschwerde der Leitungsgegner.


Vernetzen