Die Unternehmen der Braunkohlewirtschaft produzierten zuletzt mehr Strom aus weniger Brennstoff und wollen ihre Tagebaue ausweiten. Sorgen bereiten ihnen unerwartete Umweltprobleme und die niedrigen Preise im Strom-Großhandel.


Stromproduktion im Braunkohle-Großkraftwerk Lippendorf bei Leipzig. Bewegtbild: Stefan Schroeter / Georg Schroeter


Mit Hubschrauber-Einsätzen über dem sächsischen Braunkohle-Tagebau Vereinigtes Schleenhain will der Braunkohleförderer Mibrag künftige Kohlestaub-Stürme verhindern. Anfang Mai wurden hier mehr als 50 Hektar Betriebsflächen mit einem organischen Bodenfestiger besprüht. Wie Mibrag-Geschäftsführer Joachim Geisler am 22. Mai auf dem Braunkohlentag in Leipzig berichtete, hatten in den Wochen zuvor Trockenheit und starker Wind zu einer starken Staubbelastung in Deutzen geführt, die wiederum heftige Proteste bei den betroffenen Menschen auslösten. Die Hubschrauber-Einsätze und Gespräche im Ort sollen nun dabei helfen, das beschädigte Vertrauen wieder herzustellen. Geisler zufolge ist es im Braunkohle-Tagebau jedoch trotz aller Anstrengungen nicht möglich, Belastungen für benachbarte Orte vollständig zu vermeiden.

Derzeit arbeitet Mibrag daran, den Tagebau weiter in Richtung Pödelwitz auszudehnen. Nach Angaben des Unternehmens hatten sich 90 Prozent der 130 Einwohner für eine Umsiedlung ausgesprochen. Allerdings wehren sich die übrigen Pödelwitzer auch dagegen, dass ihr Heimatort abgebaggert werden soll. Und nach Ansicht der Landtagsfraktion Bündnis90/Grüne gibt es bisher keine rechtlichen Voraussetzungen dafür. Dass diese Themen auch von den regionalen Medien aufgegriffen wurden, wertete der Mibrag-Geschäftsführer als „Kampagne gegen die Umsiedlung von Pödelwitz“.

Die bundesweite Stromerzeugung aus Braunkohle war im vergangenen Jahr 2013 um ein Prozent auf 162 Milliarden Terawattstunden gewachsen. Der Debriv Deutsche Braunkohlen-Industrie-Verein, der die Leipziger Veranstaltung ausrichtete, verweist zugleich darauf, dass die Kraftwerke für die größere Stromproduktion weniger Kohle benötigten. Daher ging die deutsche Braunkohleförderung um 1,5 % auf 183 Millionen Tonnen zurück.

Allerdings machen die niedrigen deutschen Preise im deutschen Strom-Großhandel offenbar inzwischen auch den kostengünstigen Braunkohle-Verstromern zu schaffen. Bei Preisen von 34 Euro je Megawattstunde sei ein wirtschaftlicher Betrieb der älteren Kraftwerke nicht mehr gewährleistet, sagte Matthias Hartung, der in Leipzig als Debriv-Vorstandschef gewählt worden war. Hartung, der im Hauptberuf den Kraftwerksbetreiber RWE Power leitet, forderte deshalb ein diskriminierungsfreies, technologieoffenes Marktdesign.

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