Der Verkauf eines Tochterunternehmens ermöglicht dem Erdgasimporteur einen hohen Gewinn. Für den aktuellen Rückgang der Großhandelspreise sieht er sich gut gerüstet.

Der Hauptsitz von Verbundnetz Gas in Leipzig. Foto: Stefan Schroeter


Der Leipziger Erdgasimporteur und Infrastruktur-Betreiber VNG Verbundnetz Gas hat erneut einen Rekordgewinn vorgelegt. Der Jahresüberschuss der Aktiengesellschaft stieg im Geschäftsjahr 2014 um ein knappes Drittel auf 224 Millionen. Euro. Wie Vorstandschef Karsten Heuchert heute bei der Bilanz-Pressekonferenz sagte, ist dieses Ergebnis maßgeblich geprägt durch den Verkauf eines Anteils an der EVG Erdgasversorgungsgesellschaft Thüringen-Sachsen.

Diesen Ferngasleitungs-Netzbetreiber hatten VNG und der Energiekonzern Eon im Oktober an einen australischen Finanzinvestor verkauft, ohne den Preis zu nennen. Das macht es einerseits schwierig, die tatsächliche Geschäftsentwicklung bei VNG zu beurteilen. Andererseits ermöglicht der hohe Gewinn es Vorstand und Aufsichtsrat, der Hauptversammlung vorzuschlagen, eine Dividende von 73 Mio. Euro und damit 28 Mio. Euro mehr als im Vorjahr an die Aktionäre auszuschütten. Mehrheitsaktionär ist der Oldenburger Energiekonzern EWE, weitere Anteile halten ostdeutsche Städte und der russische Energiekonzern Gasprom.

Der VNG-Umsatz ging aufgrund gesunkener Gaspreise deutlich auf 7,6 Milliarden Euro zurück. Dabei gelang es der AG, ihren Erdgasabsatz trotz eines rückläufigen deutschen Gasmarktes bei 310 Mrd. Kilowattstunden stabilisieren. Wie Heuchert berichtete, konnte der Versorger unter anderem den größten deutschen Ammoniakproduzenten, die Stickstoffwerke Piesteritz, erneut langfristig als Kunden gewinnen.

Bei der Erdgasbeschaffung setzen der Importeur und seine Tochterunternehmen weiter auf den kurzfristigen Spot- und den langfristigen Terminhandel an europäischen Marktplätzen. Dort kaufte die VNG-Gruppe mit 267 Mrd. kWh etwas mehr ein als zuletzt. Die Bezüge von russischem Erdgas aus Langfristverträgen gingen dagegen deutlich auf 57 Mrd. kWh zurück, während die norwegischen Langfristvertrags-Lieferungen leicht auf 44 Mrd. kWh stiegen. Dass der aktuelle Preisrückgang im Erdgas-Großhandel wieder ähnlich schwierige Verhandlungen mit den Langfrist-Lieferanten mit sich bringt wie in den Jahren 2011 und 2012, glaubt Heuchert nicht. Inzwischen seien alle Bezugsverträge auf marktnahe Bedingungen umgestellt worden. 

Gut vorangekommen ist der Gasversorger mit dem Vorhaben, sich in Nordeuropa eine eigene Rohstoffbasis aufzubauen. Mit dem Pil-Feld in den norwegischen Küstengewässern hat VNG im vergangenen Jahr laut Heuchert einen der bedeutendsten Öl- und Gasfunde in dieser Region gemacht. Auch die benachbarten Felder seien vielversprechend, sagte der Vorstandschef. Die Erschließung der Öl- und Gasfelder und die Beteiligung an bereits erschlossenen Feldern erfordert allerdings zunächst hohe Investitionen, die sich erst langfristig auszahlen können. Bisher arbeitet die zuständige Tochtergesellschaft VNG Norge daher mit Verlust. Der Finanzvorstand der Muttergesellschaft, Bodo Rodestock, rechnet allerdings damit, dass sie in den nächsten fünf Jahren die Gewinnzone erreicht.


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