Vor allem der europäische Strom-Großhandel belebt das Geschäft der European Energy Exchange. Ihr Gashandel entwickelt sich am besten an einem niederländischen Handelspunkt.

Mit der Energiebörse EEX geht es weiter aufwärts. Foto: Stefan Schroeter


Die Energiebörse EEX European Energy Exchange hat über ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr 2014 berichtet. Der Umsatz stieg um 24 Prozent auf 77,1 Millionen Euro, der Jahresüberschuss um 28 % auf 17,5 Mio. Euro. Wie Finanzvorstand Iris Weidinger gestern am Firmensitz in Leipzig sagte, ist dies das beste Jahresergebnis in der EEX-Geschichte. Das Unternehmen war im Jahr 2002 durch eine Fusion zweier konkurrierender Energiebörsen entstanden. Zum Jahresende 2014 beschäftigte es 191 Mitarbeiter, davon 156 in Leipzig.

Das Unternehmen hat in fast allen wesentlichen Geschäftsbereichen weiter zugelegt. Der wichtigste von ihnen, der Strom-Terminmarkt für langfristige Handelsgeschäfte, ist sowohl bei den Handelsvolumina, als auch beim Umsatz deutlich gewachsen. In einem insgesamt rückläufigen deutschen Strom-Terminmarkt konnte EEX nicht nur ihr Handelsvolumen steigern, sondern auch ihren Marktanteil nach eigener Einschätzung auf 25 % ausbauen. Gut entwickelt hat sich der Strom-Terminhandel in Italien, den EEX erst seit dem vergangenen Jahr anbietet. Auf dem zuvor wenig ergiebigen französischen Strom-Terminmarkt konnten die Handelsvolumina sogar vervierfacht werden, wenn auch auf einem niedrigen Niveau.

Zuwächse gab es auch im zweitwichtigsten EEX-Geschäftsbereich, dem Spotmarkt für den kurzfristigen Handel mit Strom. Er profitiert weiterhin davon, dass die deutschen Übertragungsnetzbetreiber den von ihnen angekauften Strom aus erneuerbaren Energien über eine Strombörse vermarkten müssen – wobei diese Mengen offenbar zuletzt etwas zurückgingen. Daneben belebt die seit 2012 mögliche Direktvermarktung von Ökostrom das Spotmarkt-Geschäft. EEX-Vorstandschef Peter Reitz wies auch darauf hin, dass der steigende Anteil der schwankenden Stromerzeugung aus Sonne und Wind am Gesamtmarkt zunehmend dazu führt, dass Marktteilnehmer kurzfristig Strommengen an der Börse kaufen oder verkaufen.

 

Wachstum im Gashandel

In einem frühen Entwicklungsstadium befindet sich immer noch das Geschäftsfeld Erdgas. Auf der dafür eingerichteten Pegas-Plattform bietet EEX inzwischen den Gashandel in sieben Marktgebieten Deutschlands, Frankreichs, der Niederlande und Belgiens an. Hier hat sich das Handelsvolumen am Spotmarkt auf 290 Terawattstunden verdoppelt und am Terminmarkt sogar auf 278 TWh vervierfacht. Insbesondere in den beiden deutschen Marktgebieten Gaspool und Net Connect Germany sind die Handelsvolumina allerdings im Vergleich zum deutschen Strommarkt immer noch sehr gering.

Den größten Zuwachs erzielte Pegas mit dem Handel am Terminmarkt des niederländischen Gashandelspunktes Title Transfer Facility, der allein von 10 TWh auf 150 TWh stieg. Im laufenden Jahr 2015 soll der EEX-Gashandel mit neuen Handelsprodukten für den belgischen Gashandelspunkt Zeebrügge, das britische Marktgebiet National Balancing Point und das italienische Marktgebiet Punto do Scambio Virtuale ausgebaut werden. Weitere Impulse könnte der dänische Gasmarkt bringen, nachdem sich EEX zum Jahresanfang zur Hälfte an der dortigen Börse Gaspoint Nordic beteiligt hat.

 

Rückgang durch „Backloading“

Ein kleiner Geschäftsbereich, in dem das Börsenunternehmen einen Rückgang hinnehmen musste, ist der Handel mit Emissionszertifikaten. Sein Umsatz ging auf 1,3 Mio. Euro zurück, weil aufgrund einer politischen Entscheidung mit dem sogenannten „Backloading“ eine größere Menge von europäischen Zertifikaten nicht wie vorgesehen versteigert, sondern für eine spätere Ausgabeperiode zurückgehalten wurde. Leicht rückläufig war auch das Geschäft der EEX-Tochter ECC European Commodity Clearing, bei dem börsliche und außerbörsliche Handelsgeschäfte abgewickelt und besichert werden. Die Ursache dafür ist, dass die umsatzstarke niederländische Energiebörse APX/Endex ihre Kooperation mit ECC im Oktober 2013 beendet hatte.

Zuvor hatte sich APX/Endex in die Strombörse APX und die Gasbörse Endex aufgespaltet. Endex gehört inzwischen zur US-amerikanischen ICE Intercontinental Exchange. APX wird demnächst von der EEX-Tochter Epex Spot übernommen. In diese Übernahme und in die weitere Entwicklung des bisherigen Handelsgeschäfts setzt Vorstandschef Reitz für das laufende Jahr große Hoffnungen: „Wir erwarten, dass wir in der Umsatzentwicklung ein Wachstum sehen werden bis zu nahezu einer Verdopplung.“